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126 | Theodor Domej
ich auf. Ich wollte sehr gut ausschlafen, aber bald nachdem ich die Augen
schloss, rief man mich, weil um halb elf ein 81-jähriger Nachbar gestorben war.
Ich hielt mit dem Vater Totenwacht bis zum frühen Morgen. Es grüßt Dich
Dein Ivan.']
Eine Reihe von Ansichtskarten gab der Slowenische christlichsoziale Verband
Slovenska krščanska socialna zveza (SKSZ) heraus, die kulturelle Dachorganisa-
tion der slowenischen katholisch orientierten Kultur- und Arbeitervereine. Diese
zeigten Ansichten von Klagenfurter Straßen, einige Ortsansichten und Talschafts-
trachten. Die Gesamtzahl dieser Ansichtskarten dürfte zwei Dutzend nicht über-
troffen haben (in meiner Evidenz sind sechzehn Motive). Sie wurden allesamt von
der Hermagoras-Druckerei hergestellt. Als Kleinstverleger von Ansichtskarten
traten einige Vereine auf, doch blieben sie inhaltlich streng in ihrem Wirkungs-
kreis und Wirkungsort verhaftet. Die weitaus meisten Ortsansichten mit sloweni-
schen Aufdrucken wurden von Kleinstverlegern verlegt.
Die regionale Häufung von slowenischen Ansichtskarten bezeugt, wo einst die
Hochburgen der slowenischen national-politischen und kulturellen Bewegung wa-
ren. Mit Ausnahme von Klagenfurt, wo sowohl die politische als auch kulturelle
Dachorganisationen ihren Sitz hatten, sind die meisten dort erschienen, wo auf
lokaler Ebene slowenische Vereine und Gemeindevertretungen den Ton angaben.
Dazu gehören St. Jakob im Rosental/Šentjakob v Rožu, St. Michael bei
Bleiburg/Šmihel pri Pliberku, Seeland/Jezersko und Zell-Pfarre/Sele, jeweils mit
den Umgebungsorten. Im Fall des Ortes Tainach/Tinje war es wohl dem Einfluss
des damaligen Propstes Gregor Einspieler zuzuschreiben, dass dieser Ort eine er-
staunlich hohe Dichte an slowenischen Ansichtskarten aufwies. Andererseits aber
zeigen die Leerstellen auf, in welchen Bereichen die Dominanz des deutschnatio-
nalen Lagers erdrückend war. Mit slowenischen und zweisprachigen Ansichtskar-
ten abgedeckt, wenn in einigen Gegenden auch nur ganz schwach, ist jedoch das
gesamte slowenische Siedlungsgebiet. Die „Grenzmarkierungen“ waren
Egg/Brdo, St. Georgen im Gailtal/Šentjurij na Zilji, Saifnitz/Žabnice, St. Stefan
bei Villach/Šteben pri Beljaku, Maria Gail/Marija na Zilji, Sternberg/Strmec,
Kranzelhofen/Dvor, Maria Saal/Gospa Sveta, St. Philippen ob Reinegg/Šentlipš
pri Rajneku, Hochfeistritz/Visoka Bistrica, Diex/Djekše, Grafenbach/Kneža,
Greutschach/Krčanje, Ruden/Ruda, Neuhaus/Suha und Sv. Križ pri Črnečah/Hei-
ligenkreuz.
Es ist davon auszugehen, dass sich bei „Heimatsammlern“ noch weitere An-
sichtskarten aus Kärnten mit slowenischen Aufdrucken verbergen. Viele Kärntner
Ortschaften ohne zentralörtlichen Charakter – und kleine Orte umso mehr – blie-
ben aber auch zur Hochblüte der Ansichtskarte ohne vervielfältigte Ortsansichten
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen