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Wie die Nadel im Heuhaufen | 135
nahm in Kärnten die Zahl der slowenischen Ansichtskarten aber trotzdem – in
bescheidenem Ausmaß – kontinuierlich zu. Es gab auch keinen slowenischen Ver-
lag, der es sich zur Aufgabe gemacht hätte, den relativ kleinen Südostkärntner
Ansichtskartenmarkt gezielt mit slowenischen Produkten zu beliefern, sich dort
zu behaupten und mit anderen Verlagen in Konkurrenz zu treten. Kärntnerslowe-
nische Verlage, Vereine oder Organisationen gaben zwar einige Ansichtskarten
heraus, jedoch blieb deren Gesamtzahl niedrig. Die Verlage aus der slowenischen
Zentralregion ließen Kärnten so gut wie außer Betracht. Außerkärntner sloweni-
sche Verleger sahen in Kärnten offenbar kein lukratives Einsatzgebiet, weshalb
nur wenige Ansichtskarten von dort ins Land kamen. Das kann durchaus als Hin-
weis auf die geringe Integration des in Kärnten liegenden slowenischen Siedlungs-
gebietes in das gesamtslowenische gedeutet werden.
Große überregionale Verlage brachten so gut wie keine slowenischen oder
zweisprachigen Ansichtskarten aus Kärnten auf den Markt. Ob bei den regionalen
und überregionalen Verlegern dabei nationalpolitische Motive eine Rolle spielten,
entweder keine zweisprachigen oder slowenischen Ansichtskarten aufzulegen, ist
eine berechtigte, jedoch nicht eindeutig zu beantwortende Frage. Jedenfalls zeigt
der in Evidenz befindliche Teil der Kärntner Ansichtskarten, dass das slowenische
Segment Kleinstverlagen oder eigentlich Selbstverlegern und privaten Auftrags-
gebern überlassen wurde. Deshalb kamen anspruchsvollere Drucktechniken
(Chromolithographien, Farbpostkarten) bei slowenischen Ansichtskarten selten
zum Einsatz. Ausnahmen sind einige Ansichten von Wallfahrtskirchen und -orten
wie Maria Luschari/Višarje/Monte Santo di Lussari, Maria Saal/Gospa Sveta und
Sv. Križ pri Dravogradu/Heiligenkreuz bei Unterdrauburg. Nur wenige Ansichts-
karten hatten ein größeres Format als das übliche.46 Einige Ansichtskarten erschie-
nen in mehreren Varianten, zum Beispiel einmal in einem Farbton, das andere Mal
koloriert, einmal mit einer deutschen Beschriftung, dann mit einer slowenischen
bzw. zweisprachigen.
Es ist anzunehmen, dass sich die absolute Gesamtzahl der in Kärnten oder für
Kärnten aufgelegten Ansichtskarten mit aufgedruckten slowenischen Textelemen-
ten von derzeit geschätzten etwa zweihundertfünfzig nach oben verschieben wird.
Der gewaltige Abstand zwischen deutschen und slowenischen Ansichtskarten
wird aber bestehen bleiben. In ganz wenigen Orten überwogen in den Jahren bis
46 Siehe Eva Tropper „Illustrierte Postkarten – ein Format entsteht und verändert sich“,
in: Eva Tropper/Timm Starl (Hg.), Format Postkarte. Illustrierte Korrespondenzen,
1900 bis 1936, mit Beiträgen von Monika Faber, Michael Ponstingl, Timm Starl und
Eva Tropper, Wien: new academic press, 2014 (= Beiträge zur Geschichte der Fotogra-
phie in Österreich, Bd 9), S. 10-41.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen