Page - 176 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Image of the Page - 176 -
Text of the Page - 176 -
176 | Tjaša Jakop
der Standardsprache wenig Erfahrung und im Umgang mit ihr wenig Kompetenz
hatten. Dadurch sind auch manche Individualtexte nur mit Mühe zu entziffern, sei
es, dass die Handschrift schwer lesbar ist, sei es, dass mit Bleistift geschrieben
wurde und die Karte inzwischen verblasst oder vergilbt ist. Dies trifft auf in slo-
wenischer Sprache beschriebene Karten deutlicher zu als auf in deutscher Sprache
beschriebene, da letztere häufiger mit Feder in Kurrentschrift verfasst wurden und
daher besser erhalten sind.
Entsprechend meiner wissenschaftlichen Spezialisierung werde ich mich im
Folgenden auf den slowenischen Aspekt der Druck- und Mitteilungstexte konzent-
rieren, während die Analyse der deutschsprachigen Texte in diesem Beitrag außer
Acht gelassen wird. Wir wollen einen geographisch nach Regionen gestaffelten
Blick auf einzelne Karten und deren Mitteilungen werfen und versuchen, einzelne
Phänomene zu kommentieren und aus sprachwissenschaftlicher Sicht allgemein
verständlich zu erklären. Die Analyse nach geographischen Gesichtspunkten soll
helfen, dialektale Gemeinsamkeiten zu gruppieren, wobei ich, geleitet von meiner
eigenen dialektalen Kompetenz, zunächst etwas ausführlicher den westlichen und
danach exemplarisch den östlichen Teil der steirischen Dialektlandschaft beleuch-
ten werde.
FUNDSTÜCKE UND BEFUNDE: SPRACHLICHE UND
SEMANTISCHE ANALYSE VON MITTEILUNGSTEXTEN
Der westliche Teil der Untersteiermark/Spodnja Štajerska
Da die Osrednja knjižnica Celje (Zentralbibliothek Celje, im Folgenden: OKC)
den größten Anteil an den vom Forschungsteam ausgewählten Karten geliefert
hat, liegt es auf der Hand, die Analyse mit Karten aus Celje/Cilli und dessen Um-
gebung zu beginnen. Von den drei Städten der Untersteiermark hatte im Übrigen
Celje/Cilli den bei weitem höchsten Anteil an Bürgern, die Slowenisch als Um-
gangssprache angaben (1880: 36,0%, 1910: 29,3%)4. Diese Stadt war es auch, die
im so genannten Cillier Schulstreit 1896 zu heftigen nationalen Streitigkeiten auf
4 Die Angaben der Umgangssprache erfolgen nach: Die Bevölkerung der im Reichsrathe
vertretetenen Königreiche und Länder nach Religion, Bildungsgrad, Umgangssprache
und nach ihren Gebrechen. 2. Hefte der „Ergebnisse der Volkszählung [...] vom 31.
December 1880, Wien 1882 [Zugriff jeweils 25.12.2019], zitiert nach der Online-Ver-
sion der Österreichischen Nationalbibliothek, für 1880: http://anno.onb.ac.at/cgi-con-
tent/anno-plus?aid=ors&datum=0001&page=266&size=45;1910: http://anno.onb.ac.at/
cgi-content/annoplus?aid=ost&dtum=0001&page=317&size=28
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen