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katharina hranitzky
chen, Clm 2660, Abb. 15) handelt es sich eindeutig um eine Kopie des in Lyon
aufbewahrten Codex aus St. Florian.61
Die vorgeschlagene Filiation (Abb. 16) kann tatsächlich am Historia-scholasti-
ca-Teil der betreffenden Handschriften verifiziert werden. So ist bereits am Beginn
der Historia in den drei Codices in Linz, Lyon und München (foll. 11v/9v/8v) de-
ren enge Verwandtschaft deutlich zu erkennen. Man vergleiche insbesondere die
identischen Glossen im linken oberen Viertel der ersten Seite, die in Linz und
Lyon auch durch identische Paragraphzeichen markiert sind. Allerdings ist eine
dieser Randanmerkungen (Effimera febris … nascitur) in Lyon auf dem rechten
Seitenrand angeordnet, eine Abweichung von Linz, die auch München zeigt. In der
letztgenannten Handschrift finden sich darüber hinaus auf den Rand notierte Er-
gänzungen aus Lyon wieder, die Linz nicht aufweist; der Schreiber des in München
aufbewahrten Exemplars fügte sie dann schon in den Fließtext ein.62
Besonders aufschlussreich ist die Gegenüberstellung der Baumgartenberger His-
toria scholastica (Linz, Cod. 490) mit dem Exemplar aus Heiligenkreuz (Wien,
Cod. 378). Es zeigt sich nämlich, dass die Heiligenkreuzer Handschrift ursprüng-
lich eine Fassung des Werks überliefert, die von derjenigen in der Baumgartenber-
ger leicht abweicht – zum Vergleich sei eine der ältesten Abschriften des Textes von
punktuellen textlichen Erweiterungen des Compendiums gegenüber Linz fußen (siehe
Anm. 44), und zum anderen, wie sich die frappanten übereinstimmenden Details zwi-
schen den beiden Genealogien (siehe oben) erklären lassen.
61 Wie man in jedem Fall Kenntnis von der jeweils benutzten Vorlag erlangte, muss dabei
offenbleiben.
62 Ähnliches zeigt zum Beispiel auch der Vergleich der foll. 12r/10r/9r. Auch finden sich im
Münchner Clm 2660 am Schluss der Historia dieselben, in derselben Reihenfolge wie-
dergegebenen und ähnlich durch Lombarden eingeleiteten Zusatzverse wie im Codex in
Lyon, dessen Schreiber sie aus Linz kopiert hatte (siehe auch Anm. 51).
Stemma der erhaltenen Handschriften mit dem Compendium historiae in genealogia Christi vom „Typ Baumgartenberg“
13. Jh.
14. Jh. Wien, ÖNB, Cod. 378
Heiligenkreuz
I. Abschrift der Historia scholastica
und Anlage des Compendiums(?)
Wien, ÖNB, Cod. 378
Heiligenkreuz
II. Ausstattung des Compendiums(?),
textl. Ergänzungen zu Compendium
und Historia scholastica Linz, OÖLB, Cod. 490
Baumgartenberg
Lyon, BM, Ms. 445
St. Florian(?)
Einzelblatt aus dem Besitz des
Franz von Hauslab München, BSB, Clm 2660
Aldersbach
Wien, ÖNB, Cod. 364
Klosterneuburg
Provenienz Zisterzienserstift
Provenienz Augustiner-
Chorherrenstift
→ Grüner Pfeil: Transfer
wahrscheinlich aufgrund von
geografischer Nähe (Lage an
der Donau)
→ Blauer Pfeil: Transfer
zwischen Klöstern desselben
Ordens
→ Gestrichelter grauer Pfeil:
Transfer ungeklärt
Abb. 16: Filiationsschema der
Handschriften mit Ausstattung
vom „Typ Baumgartenberg“
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Title
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Author
- Christine Beier
- Editor
- Michaela Schuller-Juckes
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Size
- 18.5 x 27.8 cm
- Pages
- 290
- Categories
- Geschichte Chroniken