Page - 169 - in Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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für rEcht und ordnunG
nommenen Festgraderhöhung zu Gregorius, Ambrosius, Augustinus, Hieronymus
und Katharina, die im Kalender nachgetragen sind, für eine Entstehung zwischen
1295 und 1300 aus.7 Eine von demselben Autor durchgeführte paläographische Ana-
lyse ergab zudem, dass der Schreiber des Breviers Textteile in vier weiteren Codices
aus Heiligenkreuz kopiert haben könnte.8 Von diesen enthält eine ans Ende des
13. Jahrhunderts datierte Sermones-Handschrift (Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek,
Cod. 291)9 mit Cod. 309 übereinstimmende Fleuronnée-Initialen (Abb. 6, vgl. vor
allem Abb. 4);10 die anderen drei Codices weisen hingegen keinen vergleichbaren
Buchschmuck auf. Stattdessen verfügen mehrere Heiligenkreuzer Urkunden, da-
rüber hinaus aber auch Rechtsdokumente aus der nächsten Umgebung des Zis-
terzienserstifts, über einleitende Schmuckinitialen, die demselben Fleuronnée-Stil
folgen wie die Initialen in Cod. 309 und 291. Die künstlerische Verzierung fünf
Heiligenkreuzer Urkunden wurde dem Florator des Zisterzienserbreviers bereits von
Alois Haidinger zugeschrieben.11 Insgesamt finden sich im Stiftsarchiv von Heiligen-
kreuz nach derzeitigem Wissensstand neun Urkunden mit Fleuronnée-Initialen, die
stilistisch besonders eng mit der Ausstattung der beiden Handschriften verbunden
sind: Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1275 IV 03.1, 1279.2, 1279 XII 15, 1280 IV 04,
1285 IV 03, 1286 XII 24−3, 1286 XII 24−4 (Bestand Heiligenkreuz), 1287 X 13−1, 1287
X 13−2 (Bestand Wien St. Nikolaus).12 Am augenscheinlichsten zeigt sich die Ver-
wandtschaft bei drei Schriftstücken, deren Fleuronnée-Initialen durch die gleichen
auffälligen Profilgesichter ausgezeichnet wurden wie in Cod. 309 (vgl. Abb. 5) und
7 Alois Haidinger: Beobachtungen zum Skriptorium des Stiftes Heiligenkreuz von 1133
bis um 1200 (Vortrag vom 4. April 2016 am Institut für Österreichische Geschichtsfor-
schung, Universität Wien). Wien 2016, S. 9. Der Text des Vortrags ist auf der Website
www.scriptoria.at einsehbar. Siehe dort auch den Eintrag des Autors zu Cod. 309 (zuletzt
abgerufen am 26.05.2020).
8 Es sind dies: Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Cod. 89 (foll. 113r−127v und alle Rubriken),
Cod. 136 (foll. 184r−220v), Cod. 227 (foll. 56r−72ra) und Cod. 291 (foll. 1r−193v). Das
Ergebnis der paläographischen Analyse von Cod. 309 ist in der Datenbank der Website
www.scriptoria.at zugänglich (zuletzt abgerufen am 26.05.2020). Siehe auch Haidinger,
Beobachtungen zum Skriptorium des Stiftes Heiligenkreuz (zit. Anm. 7), S. 9.
9 Gsell, Verzeichniss der Handschriften in Heiligenkreuz (zit. Anm. 4), S. 192.
10 Auf die Ähnlichkeit zwischen den Fleuronnée-Initialen in Cod. 309 und Cod. 291 wies
Alois Haidinger bereits auf der Website www.scriptoria.at unter Cod. 309 hin (zuletzt
abgerufen am 26.05.2020). – In jenem Teil von Cod. 309, der die mit dem Buchschmuck
von Cod. 309 übereinstimmenden Fleuronnée-Initialen enthält (foll. 1r−193v), treten
auch Fleuronnée-Initialen eines anderen Stils auf, so etwa auf foll. 2r und 8r.
11 Alois Haidinger sprach in seinem Vortrag von fünf Urkunden aus dem Zeitraum 1275
bis 1280. Zwei davon führte er explizit an (Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1279 XII 15
und 1285 IV 3); vier davon wies er dem Schreiber des Breviers (Heiligenkreuz, Stiftsbi-
bliothek, Cod. 309) zu. Siehe Haidinger, Beobachtungen zum Skriptorium des Stiftes
Heiligenkreuz (zit. Anm. 7), S. 10.
12 Eine zusammenschauende paläographische Analyse aller Urkunden steht noch aus. Über
die Schrift Heiligenkreuzer Urkunden des hier behandelten Zeitraumes schrieb David
Dospiva: Cisterciácký duktus v listinách klášterů Heiligenkreuz a Velehrad (1270−1295).
Bakalářská diplomová práce. Brno 2009. – Zu den Schreibern der Herzogsurkunden
siehe Ivo Luntz: Urkunden und Kanzlei der Grafen von Habsburg und Herzoge von
Oesterreich von 1273 bis 1298. In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Ge-
schichtsforschung 37 (1917), S. 411–478, hier besonders S. 425 und 446 f. zu den Heili-
genkreuzer Urkunden mit Fleuronnée-Initialen. Abb. 4: wie Abb. 1, fol. 93v
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Title
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Author
- Christine Beier
- Editor
- Michaela Schuller-Juckes
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Size
- 18.5 x 27.8 cm
- Pages
- 290
- Categories
- Geschichte Chroniken