Page - 204 - in Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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daVid Ganz
Gebrauchsmaterial, das auch für Laternen und Fensterverkleidungen verwendet
wurde. Von den klassischen Werkstoffen mittelalterlicher Prachteinbände blieben
nur das Silber, das in dünnen Blechstreifen die Außenkanten und die „Nähte“ zwi-
schen den Hornplatten abdeckt, sowie Seidenstoffe, mit denen man den Rücken
der Bücher und die Buchschließen ummantelte.11
Das Beispiel, das ich im Folgenden genauer in den Blick nehmen möchte, ist der
Bamberger Psalter, der zu den frühesten erhaltenen Büchern mit Hornplattenein-
bänden zählt (Abb. 3–4).12 Es handelt sich um eine reich illuminierte Handschrift,
die um 1230 in Regensburg für eine Frau aus der Grafenfamilie von Hirschberg
gefertigt wurde, die seit längerem die Vogtei des Hochstifts Eichstätt innehatte.13
Der originale Aufbau des Einbands ist auf Vorder- und Rückdeckel weitgehend
erhalten geblieben, eine 1972 durchgeführte Restaurierung hat ihn durch den Aus-
tausch einiger stark beschädigter Hornscheiben nur minimal verändert.14 Aus der
ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist mit dem Komburger Psalter nur noch eine
weitere Handschrift bekannt, deren Hornplatteneinband vergleichbar gut überlie-
fert ist (Abb. 5–6).15 Nicht erhalten ist in beiden Fällen der Bezug des Rückens mit
tent, Purpose and Placement of its Images, hg. von Frank O. Büttner, Turnhout 2004,
S. 441–456; ders.: Bemalte Einbände an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hand-
schriften. Form – Bildprogramm – Funktion. In: Einbandforschung 26 (2010), S. 9–23.
Zur Gewinnung und Bearbeitung von Horn vgl. ders. / Carol L. Neuman De Vegvar
/ Maria Adelaide Lala Comneno: Corno. In: Enciclopedia dell’arte medievale, hg. von
Angiola Maria Romanini, Bd. 5, Rom 1996, S. 329–341, hier: S. 329–333.
11 Der textile Anteil der Hornplatteneinbände bleibt in der einschlägigen Literatur ausge-
klammert. Beispiele für textile Bezüge des Buchrückens bei liturgischen Prachteinbän-
den bei Leonie von Wilckens: Zur Verwendung von Seidengeweben des 10. bis 14. Jahr-
hunderts in Bucheinbänden. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 53 (1990), S. 425–442.
12 Vgl. die Aufstellung in Engelhart, Der Hornplatteneinband (zit. Anm. 10), S. 414–415.
13 Bamberg, Staatsbibliothek, Msc. Bibl. 48. Die Provenienz der Handschrift, die Ge-
schichte der Auftraggeberfamilie und die Identität der mutmaßlichen Erstbesitzerin
jetzt umfassend aufgearbeitet im Kapitel zur Geschichte des Psalters in David Ganz: Der
Bamberger Psalter. Kommentarband zum Faksimile, mit Beiträgen von Karin Eckstein
/ Sibylle Voß / Bettina Wagner, Luzern 2019. Der wichtigste Anhaltspunkt ist der einzi-
ge Nekrologeintrag im Kalender, der für den 5. Juni die Ermordung Graf Gebhards V.
von Hirschberg aus dem Jahr 1245 festhält (fol. 3v). Für eine Herstellung des Psalters in
Regensburg argumentierte erstmals Elisabeth Klemm: Schwerpunkte der Regensburger
Buchmalerei im späten 12. und ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. Anmerkungen zum
Forschungsstand. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 63 (2009),
S. 9–45, hier: S. 36–44. Ihr schloss sich zuletzt Stefanie Westphal an, vgl. den von ihr
verfassten Beitrag in Karl-Georg Pfändtner / Stefanie Westphal: Die Handschriften des
13. und 14. Jahrhunderts der Staatsbibliothek Bamberg. Mit Nachträgen von Hand-
schriften und Fragmenten des 10. bis 12. Jahrhunderts. 2 Bde., Wiesbaden 2015 (Katalog
der illuminierten Handschriften der Staatsbibliothek Bamberg, 3), S. 90–96, Nr. 48.
Für Gründe, die gegen die lange favorisierte Zuschreibung des Psalters nach Bamberg
sprechen, vgl. neben diesen beiden Beiträgen ebenfalls das Kapitel zur Geschichte der
Handschrift im Kommentarband zum Faksimile.
14 Vgl. den Restaurierungsbericht in Karl Jäckel: Die Restaurierung des Bamberger Psal-
ters. In: Maltechnik. Restauro 84 (1978), S. 96–98.
15 Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. Bibl. 2° 46 (Würzburg 1240/45), ein
Einzelblatt in Bamberg, Staatsbibliothek, I Qa 2. Zur Datierung und Lokalisierung des
Komburger Psalters zuletzt Stefanie Westphal: Der Komburger Psalter und die fränki-
sche Buchmalerei des 13. Jahrhunderts. In: Studien zur Buchmalerei des 13. Jahrhunderts
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Title
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Author
- Christine Beier
- Editor
- Michaela Schuller-Juckes
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Size
- 18.5 x 27.8 cm
- Pages
- 290
- Categories
- Geschichte Chroniken