Page - 227 - in Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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zwischEn EiGEnlEistunG und GEwErBlichEr sEriEnfErtiGunG
13. Jahrhundert, als in Mitteleuropa die Psalterausstattung zur führenden Aufgabe
der Buchmalerei avancierte, scheint für diese Region die Methode der Gruppierung
von formal verwandten Werken und deren Verknüpfung mit einem bestimmten
Ort kaum oder gar nicht zu greifen.8 Das ist besonders deshalb bemerkenswert,
weil man davon ausgeht, dass sich im 13. Jahrhundert die ersten ortsfesten Buchma-
lerateliers außerhalb geistlicher Institutionen etablierten. Nach den überlieferten
Handschriften zu urteilen, müsste im deutschsprachigen Raum die Ausstattung
von Psaltern die wichtigste, die „Gründungsaufgabe“ solcher gewerblich ausgerich-
teten Buchmalerateliers gewesen sein.
Augsburger Psalter
In wesentlichen Zügen bezeichnend für die Situation sind ca. 30 für den Gebrauch
in Augsburg eingerichtete Psalter.9 Ihre hohe Anzahl und vergleichsweise sichere
Verbindung mit einem bestimmten Ort macht sie zu einer substantiellen Basis für
eine genauere Betrachtung. Johannes Damrich stellte einige erste, nach Augsburg
lokalisierbare Exemplare zusammen,10 die von Hanns Swarzenski kritisch gesichtet
und um weitere zugehörige Psalter ergänzt wurden.11 In der Folgezeit kamen einzel-
ne Werke hinzu,12 und zuletzt hat Andrea Worm die Gruppe in ihrer Gesamtheit
behandelt.13 Die Ausstattungen der Augsburger Psalter zeigen eine große stilistische
Vielfalt, und die Zuordnungen basieren in erster Linie auf Übereinstimmungen in
den Kompositionen der Miniaturen sowie auf Einträgen der Kirchweihe des Augs-
burger Doms (28. 9.) und ortsspezifischer Heiliger in Kalendern oder Litaneien.
Andere Texte mit stilistisch anzuschließender Buchmalerei konnten bisher nicht
entdeckt werden.14
In einigen Exemplaren kombinieren die Beatus-Initialen figürlichen und or-
namentalen Schmuck. Sie eignen sich deshalb für eine kurze exemplarische Be-
schreibung, die verdeutlichen soll, was die Ausstattung der einzelnen Exemplare
verbindet bzw. trennt (Abb. 2–7). In allen Fällen hat man sich für eine Darstellung
Davids entschieden: Er wurde neben die Initiale platziert (Abb. 2), in die beiden
8 So schon Hanns Swarzenski: Die lateinischen illuminierten Handschriften des
XIII. Jahrhunderts in den Ländern an Rhein, Main und Donau. 2 Bde., Berlin 1936,
Textband S. 1; siehe auch Harald Wolter-von dem Knesebeck: Deutschland. In: Andreas
Fingernagel (Hg.): Romanik. Bd. 2, Graz 2007, S. 231–325, bes. S. 290.
9 Zuletzt Andrea Worm: „Du solt wizzen daz davit disen salme tihte. und daz gotesinst
da mit rihte.“ Überlegungen zu Augsburger Psalterhandschriften des 13. Jahrhunderts.
In: Martin Kaufhold (Hg.): Städtische Kultur im mittelalterlichen Augsburg. Augsburg
2012, S. 20–53, bes. S. 24.
10 Johannes Damrich: Die Augsburger Buchmalerei im Zeitalter der Hohenstaufen. In:
Archiv für christliche Kunst 20 (1902), S. 108 f., 118–121, 131–135 und 21 (1903), S. 9–11.
11 Swarzenski, Die lateinischen illuminierten Handschriften (zit. Anm. 8), S. 57–60.
12 Unter anderem Christine Sauer: Die gotischen Handschriften der Württembergischen
Landesbibliothek Stuttgart. Teil 1: Vom späten 12. bis zum frühen 14. Jahrhundert. Mit
Beiträgen von Ulrich Kuder, Stuttgart 1996, Kat. 36 und Klemm, Die illuminierten
Handschriften (zit. Anm. 6), Kat. 117 und 155.
13 Worm, „Du solt wizzen“ (zit. Anm. 9).
14 Ebd., S. 20. Abb. 2: König David. Psalter,
Augsburg, Universitätsbibliothek,
Cod. I.2.4° 19, fol. 12r, Augsburg,
erstes Viertel des 13. Jahrhunderts
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Title
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Author
- Christine Beier
- Editor
- Michaela Schuller-Juckes
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Size
- 18.5 x 27.8 cm
- Pages
- 290
- Categories
- Geschichte Chroniken