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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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231 zwischEn EiGEnlEistunG und GEwErBlichEr sEriEnfErtiGunG monialae vel aliae mulieres Im Zusammenhang mit den Augsburger Psaltern ist mehrfach auf die Franziskaner und Dominikaner aufmerksam gemacht worden, die sich 1221 bzw. 1225 in der Stadt niederließen.25 Da die Handschriften zumeist keine ausreichenden Angaben über die ersten Besitzer enthalten und auch die liturgische Ausrichtung häufig unklar ist, kann in der Mehrzahl der Fälle keine unmittelbare Verbindung mit einem be- stimmten Orden hergestellt werden. Doch dort, wo in Form von figürlichem Buch- schmuck eine Präferenz und besondere Verehrung zum Ausdruck kommt, deuten diese auf die Bettelorden: In dem Münchner Exemplar Clm 16137 ist im Binnenfeld der Initiale auf fol. 50r (Psalm 52) eine Frau in weltlicher Kleidung vor Dominikus abgebildet. Es handelt sich um die einzige figürliche Hinzufügung neben David, einem heiligen Bischof (Beatus-Initiale, Abb. 6) und dem Erzengel Michael (Psalm 51, fol. 49r).26 Die Miniaturenausstattung ist zwar verloren und damit auch das ikonographische Gesamtkonzept,27 doch mindert das nicht die Aussagekraft der Darstellung.28 Im Psalter des Germanischen Nationalmuseums (Hs. 56632) nimmt Dominikus das Binnenfeld der Initiale zu Psalm 97 ein (Abb. 8); wieder ist er der einzige auf diese Weise ausgezeichnete Heilige. Im Exemplar in Dublin findet sich Franziskus in der Initiale zu Beginn von Psalm 38. Die übrigen drei Initialen mit fi- gürlichem Schmuck zeigen David (Abb. 5), den drachentötenden Erzengel Michael (Psalm 51, fol. 63r) und den Sündenfall (Psalm 101, fol. 116r). Bei dem mit 30 ganz- seitigen Miniaturen am reichsten illuminierten Psalter für Augsburger Gebrauch, Clm 2640 (München, Bayerische Staatsbibliothek), handelt es sich stilistisch um eines der Einzelstücke. In ihm werden Franziskus und ein weiterer Heiliger des Or- dens mit einem Doppelbildnis gewürdigt (Abb. 9), das auf eine Miniatur mit zwei nicht identifizierten weiblichen Märtyrerinnen folgt. Die Heiligenbilder dienen als Abschluss für einen Miniaturenzyklus, der Szenen zur Kindheit und Passion Chris- ti sowie die Darstellung einer Messe mit Hostienwunder und Stifterpaar umfasst (Abb. 10).29 Vor dem Einsetzen der Psalterherstellung können für Augsburg keine sicher dort entstandenen, aufwendiger illuminierten Handschriften nachgewiesen werden, die einen künstlerischen Vorlauf erkennen lassen, der zu den Psalterausstattungen führt. Das bedeutet, es hat vor Ort aller Wahrscheinlichkeit nach keine etablierten Ateliers gegeben, die auf die neue Nachfrage reagieren konnten. In der Handels- 25 Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), S. 130; Worm, „Du solt wizzen“ (zit. Anm. 9), S. 27–32. 26 Abbildung in Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), Abb. 349, siehe auch Worm, „Du solt wizzen“ (zit. Anm. 9), Abb. 26. 27 Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), S. 140. 28 Stifter oder Eigentümer sind sonst eher im Zusammenhang mit Maria oder Christus abgebildet, siehe Elisabeth Klemm: Die Darstellungen von Heiligen als Thema der Psal- terillustration. In: Büttner (Hg.), The Illuminated Psalter (zit. Anm. 5), S. 361–376, bes. S. 363. 29 In den Initialen sind noch zwei allgemein als weibliche Heilige und heiliger Bischof gekennzeichnete Bildnisse zu finden. Zum kompletten Programm siehe Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), S. 136 f. Abb. 8: Dominikus, wie Abb. 7, fol. 101r
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Title
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Author
Christine Beier
Editor
Michaela Schuller-Juckes
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Size
18.5 x 27.8 cm
Pages
290
Categories
Geschichte Chroniken
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