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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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232 christinE BEiEr stadt wird es eine Option gewesen sein, einen Psalter zu importieren, ebenso er- scheint das Engagement auswärtiger Buchmaler nicht ausgeschlossen.30 Doch sollte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass man sich die Psalmen selbst abschrieb, mit den textgliedernden Rubriken und Initialen versah und vielleicht auch mit ornamentalem und figürlichem Buchschmuck ausstattete. Zumindest für einige Arbeiten scheint die These, dass sie außerhalb eines gewerblich bedingten Wettbewerbs entstanden sind, naheliegend (Abb. 1, 3). Das getreue Kopieren von Vorlagen kann für einen gewissen Qualitätsstandard gesorgt haben und würde zu- gleich die große Ähnlichkeit der Kompositionen untereinander erklären. Auf eine andere mögliche Quelle gestalterischer Kompetenz machen die Miniaturen in Clm 2640 aufmerksam, deren von gemusterten Flächen getragene Kompositionen an die Ästhetik anspruchsvollerer Stickereien erinnern (Abb. 10). Fragt man nach Kristallisationspunkten für eine gewerbliche Handschriftenher- stellung, deutet eine Anmerkung in den Akten des Generalkapitels der Domini- kaner in Trier von 1249 in eine mögliche Richtung. Dort heißt es: „Weiter sollen sich die Brüder keine Psalter oder andere Schriften schreiben lassen von Nonnen oder anderen Frauen“ (Item fratres non faciant sibi scribi psalteria vel alia scripta per moniales vel alias mulieres).31 Das Verbot erklärt weniger als man sich wünscht: Weder sind Gründe angegeben, noch findet die Ausstattung eine Erwähnung. Aus der Quelle geht jedoch hervor, dass „Nonnen oder andere Frauen“, gerade jene Personengruppe also, die selbst Psalter benötigte oder wünschte, in die Buchher- stellung, namentlich in das Abschreiben von Psaltern, involviert war, und zwar in einem Ausmaß, das die Ordensoberen der Dominikaner dazu veranlasste, das Verbot auszusprechen. Parallel zur Herstellung für den eigenen Bedarf – oder von dieser ausgehend – scheinen sich Kapazitäten für eine gewerbliche Buchproduktion entwickelt zu haben. Die formale und qualitative Diversität, die die Mehrzahl der Psalter für Laien kennzeichnet, spricht dagegen, dass sie als Massenware in einem Arbeitsprozess ent- standen sind, der von der Schreibarbeit bis zur Ausstattung durchorganisiert war. Ein offenes Zusammenspiel von Eigenleistung und im Schreiben und/oder Aus- malen geübteren Personen – vielleicht mit organisatorischem Halt in den religiös motivierten Frauengemeinschaften – würde das künstlerische Profil der Augsburger Psalter besser erklären. Dessen Besonderheiten treten noch einmal schärfer hervor, wenn man die illuminierten Handschriften aus Regensburg gegenüberstellt, die formal enger zusammenzuschließen und eher als Arbeiten eines über längere Zeit tätigen Ateliers anzusprechen sind. 30 Die Ausstattung durch nur vorübergehend an einem Ort tätige Buchmaler ist für die Prachtpsalter des Adels anzunehmen, siehe Harald Wolter-von dem Knesebeck: Der Elisabethpsalter in Cividale del Friuli. Buchmalerei für den Thüringer Landgrafenhof zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Berlin 2001, S. 83. 31 Akten des Generalkapitels der Dominikaner in Trier, 1249, zitiert nach Martin Steinmann: Handschriften im Mittelalter. Eine Quellensammlung. Basel 2013, S. 362; Ausgabe: Bene- dictus Maria Reichert (Hg.): Acta capitulorum generalium ordinis Praedicatorum. Bd. I, Rom / Stuttgart 1898 (Monumenta ordinis fratrum Praedicatorum historica 3), S. 47. Im Liber de instructione officialium ordinis Praedicatorum empfiehlt Humbertus de Roma- nis Schreiber im Haus oder außerhalb zu beschäftigen, Humbertus de Romanis: Opera de vita regulari. Joachim Joseph Berthier (Hg.), Bd. 2, Rom 1889, S. 264. Abb. 9: Franziskus und ein weiterer Franziskanerheiliger. Psalterium feriatum, München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 2640, fol. 18v, Augsburg, um 1260 Abb. 10: Messdarstellung mit Stifterpaar, Hostienwunder, wie Abb. 9, fol. 15v
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Title
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Author
Christine Beier
Editor
Michaela Schuller-Juckes
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Size
18.5 x 27.8 cm
Pages
290
Categories
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