Page - 240 - in Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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übten Laien.66 Dies scheint auch für zahlreiche der im deutschsprachigen Raum
entstandenen Werke eine plausible Möglichkeit zu sein: Die stilistischen Merkmale
der Buchmalereien würden dann weniger die Schulung eines Künstlers verraten,
sondern durch das verwendete Vorlagenmaterial den Radius der städtischen Bür-
gerschaft dokumentieren.
Daneben sind jedoch auch die ersten Ansätze einer ortsfesten, kommerziell aus-
gerichteten Buchmalerei erkennbar, die dank Ausbildung und Austausch ein lokal-
spezifisches Gepräge zeigt. Die in wesentlichen Kriterien voneinander abweichen-
den Profile der Werkgruppen aus Augsburg und Regensburg legen nahe, dass die
organisatorischen Voraussetzungen hierfür unterschiedlich waren. Obwohl beide
zu den umfangreichsten und am deutlichsten stilistisch abgrenzbaren mitteleuro-
päischen Psalterproduktionen des 13. Jahrhunderts gehören, sind sie sowohl zahlen-
mäßig als auch hinsichtlich Einheitlichkeit und Stringenz ihres Erscheinungsbildes
weit entfernt von den häufig als Modell für frühe kommerzielle Buchmalerei her-
angezogenen illuminierten Bibeln und Rechtshandschriften aus den Universitäts-
städten Paris und Bologna. Es ist deshalb davon auszugehen, dass ihre Anfertigung
anders verlief. Die oben zitierte Anmerkung des Trierer Generalkapitels der Domi-
nikaner von 1249 deutet in eine mögliche Richtung:67 Nonnen und andere Frauen
waren im 13. Jahrhundert als Schreiberinnen in die gewerbliche Buchherstellung
involviert, und damit liegt es nicht fern, dass sie auch an der Buchausstattung betei-
ligt waren und die dafür notwendige Übung oder Ausbildung besaßen. Durchaus
ähnlich den universitären Buchproduktionen, scheinen sich im Umfeld eines spe-
zifischen Bedarfs Herstellungsformen für illuminierte Handschriften entwickelt zu
haben, die diesen decken konnten. Im Fall der Psalter für eine städtische Klientel
hing dieser Bedarf mit den Niederlassungen der Bettelorden zusammen, die zur
Ausbreitung der Andachtsbücher beigetragen haben. Die weiblichen Angehörigen
des Ordens kommen als kommerziell, für unterschiedliche Auftraggeber und auf
einem adäquaten Niveau tätige Buchmalerinnen in Frage. Eine auf lokale Verhält-
nisse bezogene Quelle, die aber illustriert, was im 13. Jahrhundert möglich war, ist
das Schwesternbuch der Oetenbacher Dominikanerinnen in Zürich. Dort wird be-
richtet, dass Ita von Hohenfels bei ihrem Eintritt in das Kloster drei „junkfrawen“
mitbrachte, „der kond eine schreiben und luminieren, die andre malen, die dritt
würken ... Also schribent si und ander swester, dass von luminieren und schreiben
alle jar aus der schreibstuben gieng X mark“.68 Die Fertigkeit, Bücher auszustatten,
66 Judith Oliver: Gothic Manuscript Illumination in the Diocese of Liège (c. 1250–c. 1330).
Löwen 1988, S. 22, S. 22.
67 Zit. Anm. 31.
68 Heinrich Zeller-Werdmüller / Jakob Bächtold: Die Stiftung des Klosters Oetenbach und
das Leben der seligen Schwestern daselbst. Aus der Nürnberger Handschrift. Zürcher Ta-
schenbuch 12 (1889), S. 213–276, bes. S. 231 f. Der Eintritt muss zwischen der Gründung
des Klosters in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts und der Umsiedlung 1285 erfolgt
sein. Die Zuverlässigkeit des Berichtes ist angezweifelt worden, da das Schwesternbuch
nur in einer von dem dominikanischen Ordenschronisten Johannes Meyer bearbeiteten
Abschrift des 15. Jahrhunderts überliefert ist (hierzu mit Hinweisen auf entsprechende
Literatur: Cordula M. Kessler: Gotische Buchkultur. Dominikanische Handschriften
aus dem Bistum Konstanz. Berlin 2010, S. 43). Warum Meyer die kommerzielle Schreib-
arbeit und Buchmalerei der Dienerinnen einer Gräfin als Bettelordensideal für Domini-
kanerinnen des 15. Jahrhunderts erfunden haben sollte, ist jedoch schwer erklärbar, und
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Title
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Author
- Christine Beier
- Editor
- Michaela Schuller-Juckes
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Size
- 18.5 x 27.8 cm
- Pages
- 290
- Categories
- Geschichte Chroniken