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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
Flächen der Erde (~10%) sind permanent mit Eis oder Schnee bedeckt. Während eines
Eiszeitalters ist das Klimasystem besonders empfindlich und schwankt zwischen Kalt-
zeiten (Glaziale) und Warmzeiten (Interglaziale). Bereits geringe Schwankungen des
Energieeintrages, die z.B. durch Veränderungen der Erdbahngeometrie, die soge-
nannten Milankovitch-Zyklen (Milankovitch 1941), ausgelöst werden, führen zu
starken Schwankungen der globalen Mitteltemperatur (Malberg 2007).
Die derzeitige Warmzeit (Holozän) begann vor ca. 11.000 Jahren. Seither ist das
Klima der Erde relativ konstant geblieben. Die globale Mitteltemperatur schwankte
in diesem Zeitraum um weniger als ein Grad. Aufgrund der Milankovitch-Zyklen
wurde das Klimaoptimum vor 7.000 bis 4.000 Jahren erreicht. Derzeit bewegen wir
uns langsam auf eine neue Kaltzeit zu. In einigen Tausend Jahren könnte wieder eine
massive Vereisung und eine starke Abkühlung einsetzen.
4.2.5 Anthropogener Klimawandel und Klimafolgen
Der Mensch greift seit Beginn der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert massiv
in das Klimageschehen ein (Freisetzung von Treibhausgasen, v.a. CO2, durch die
Verbrennung fossiler Brennstoffe). Der Strahlungseintrag durch menschliche Aktivi-
täten ist verglichen mit der Zeit vor der industriellen Revolution um ca. 2,5 W/m²
gestiegen (IPCC 2013).
Laut dem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel des Weltklimarates (IPCC 2018) liegt
die globale Mitteltemperatur bereits ein Grad über dem vorindustriellen Niveau. Be-
sonders die rasche Erwärmung in den letzten Jahrzehnten kann nur durch mensch-
liche Aktivitäten erklärt werden. In Europa und den USA ist es inzwischen gelungen,
CO2-Emissionen einigermaßen zu stabilisieren. Die starke wirtschaftliche Entwicklung
in Asien und in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern, auch bedingt durch die
westliche Nachfrage nach Gütern, lässt die globalen Treibhausgasemissionen jedoch
weiter ansteigen. Aufgrund der starken Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten
auf das Klima spricht man heute bereits vom Anthropozän, also vom Erdzeitalter,
das von menschlichen Aktivitäten geprägt wird (Crutzen 2002).
Der Weltklimarat bezieht sich in seinen Abschätzungen zukünftiger Veränderungen
im Klimasystem auf die sogenannten repräsentativen Konzentrationspfade (Represen-
tative Concentration Pathways, RCPs). Die RCPs beschreiben vier unterschiedliche
Pfade bezüglich der Entwicklung von Emissionen und Konzentrationen von Treibhaus-
gasen sowie von Luftschadstoffemissionen und Landnutzung bis ins Jahr 2100 (IPCC
2013). Die RCPs spannen sich von einem strengen Minderungsszenario (RCP2.6) bis
zu einem Szenario mit sehr hohen Emissionen (RCP8.5). Für alle Emissionsszenarien
wird ein Temperaturanstieg an der Erdoberfläche im Verlauf des 21. Jahrhunderts
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima