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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
4.3 Landnutzung im globalen Wandel
Martin Schönhart
Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung,
Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo)
martin.schoenhart@boku.ac.at
4.3.1 Einführung
Die günstigen klimatischen Bedingungen zu Beginn des Holozäns vor rund 12.000 Jah-
ren verringerten die Risiken einer ortsgebundenen Lebensweise und landwirtschaft-
lichen Produktion. Die daraus folgende neolithische Revolution erstreckte sich über
Jahrtausende und voneinander unabhängig an verschiedenen Orten der Welt. Mit
ihr begann der Mensch, Land systematisch zu nutzen – d.h. die Erdoberfläche zu be-
wirtschaften. Die technologiebedingt steigende Arbeitsproduktivität der landwirt-
schaftlichen Landnutzung erlaubte längerfristig die Entwicklung arbeitsteiliger Volks-
wirtschaften mit komplexen, hoch ausdifferenzierten Gesellschaftsstrukturen, wie wir
sie heute kennen.
Solange menschliche Gesellschaften aus Jägern und Sammlern bestanden, waren die
„ökosystemaren“ Folgen zwar beträchtlich, blieben aber örtlich beschränkt. Mit der
systematischen Landnutzung entwickelte sich der Mensch zu einem globalen Ein-
flussfaktor auf das System Erde. Die Menschheit, ihre Gesellschaft und Wirtschafts-
systeme sind Teil dieses Systems Erde, genauso wie die Ökosysteme, das Klima-
system, die interagierenden ökologischen, physikalischen und chemischen Prozesse
und die planetaren Kreisläufe (z.B. Wasser, Kohlenstoff, Nährstoffe) (IGBP 2019).
Das System Erde unterliegt permanenten Veränderungen – dem globalen Wandel.
Bekannte Beispiele sind der Klimawandel, die Veränderungen der Artenvielfalt oder
das Bevölkerungswachstum. Globaler Wandel inkludiert Phänomene, die unmittelbar
global wirken, etwa der Klimawandel, und Phänomene auf lokaler Ebene, die durch ihr
gleichzeitiges Auftreten an vielen Orten global bedeutsam sind, etwa die Urbanisierung
(IGBP 2019). Menschliche Aktivitäten sind zu einem erheblichen Teil für das Ausmaß
und die Geschwindigkeit des globalen Wandels verantwortlich, besonders seit Beginn
der industriellen Revolution ab ca. 1750. Die sogenannte Great Acceleration beschreibt
die Beschleunigung der menschlichen Aktivitäten sowie deren Folgen für den globalen
Wandel seit den 1950er-Jahren. Beispiele sind steigende Treibhausgasemissionen, das
Bevölkerungswachstum, der Einsatz synthetischer Betriebsmittel in der Landwirtschaft
und die Umwandlung vormals unberührter Wälder in Ackerland. In Wissenschaft und
Gesellschaft etabliert sich die Zuschreibung, dass diese weitreichenden Aktivitäten zu
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima