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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
das standörtliche Klima, die Hangneigung und Bodenqualität, zu Zweiteren u.a. Markt-
preise für Betriebsmittel und Produkte, Gesetze, individuelle und soziale Normen oder
die Verfügbarkeit von Technologien, Arbeitskräften und Kapital. Für Entscheidungen
relevant sind nicht nur aktuelle Rahmenbedingungen, sondern auch Erwartungen über
zukünftige Entwicklungen, besonders wenn es um langfristige Investitionen geht.
Gesellschaftliche Ansprüche an die Landnutzung und daraus resultierende Ökosystem-
leistungen können über vielfältige Instrumente verwirklicht werden. In funktionieren-
den Märkten entscheidet neben den Produktionskosten die Zahlungsbereitschaft der
Konsumentinnen und Konsumenten über Angebotsmengen und Herstellungsmethoden.
Gesetze legen fest, welche Betriebsmittel in welchen Mengen und Anwendungszeit-
räumen erlaubt sind (siehe z.B. die Debatte über den Einsatz von Neonicotinoiden
und Glyphosat im Pflanzenschutz). Sie bestimmen die Nutzung von Land durch
Bebauungspläne, die Ausweisung von Schutzzonen (z.B. Hochwasser) und Natur-
schutzgebieten. In Österreich ist Wald gesetzlich geschützt und darf nur in Ausnahme-
fällen gerodet und in andere Formen der Landnutzung umgewandelt werden. Diese
normativen Instrumente werden durch ökonomische ergänzt, darunter Steuern auf
umweltschädliches Verhalten (z.B. Besteuerung von Grundverbrauch, Mineraldüngern
und Pestiziden) oder Subventionen zur Förderung von umweltfreundlichem Ver-
halten (siehe Fallbeispiel 4.3.2 sowie Beiträge 2.1 und 6.1).
Fallbeispiel 4.3.2: Österreichisches Agrarumweltprogramm (BMNT 2019)
Das „Österreichische Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natür-
lichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft“ (ÖPUL) ist Bestandteil der Politik zur Entwicklung
ländlicher Räume. Die Ziele des ÖPUL sind u.a.:
Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt,
Verbesserung der Wasserwirtschaft,
Verhinderung der Bodenerosion und Verbesserung der Bodenbewirtschaftung,
Verringerung der aus der Landwirtschaft stammenden Treibhausgas- und Ammoniakemissionen,
Förderung der Kohlenstoffspeicherung und -bindung in der Land- und Forstwirtschaft.
Über das ÖPUL erhalten Bäuerinnen und Bauern Prämien, wenn sie sich über einen mehrjährigen
Zeitraum zu bestimmten Landnutzungen verpflichten. Typische Maßnahmen sind die Reduktion oder
der gänzliche Verzicht auf synthetische Betriebsmittel (z.B. mineralischer N-Dünger, Pestizide), die
Beschränkung der Tierproduktion oder die Wahl bestimmter Fruchtfolgen (z.B. Zwischenfrüchte zur
Minderung der Bodenerosion). Im Jahr 2017 beliefen sich die ÖPUL-Zahlungen auf rund 440 Mio. €.
Es nahmen 83% aller im EU-Fördersystem registrierten Betriebe (INEKOS) teil. Das entspricht 82%
der landwirtschaftlich genutzten Fläche dieser Betriebe (weiterführende Informationen: BMNT 2018).
Längerfristig entscheiden die privaten und öffentlichen Investitionen in Infrastruktur,
Bildung und Technologieentwicklung über die Ausprägungen und Auswirkungen der
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima