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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
Landnutzung. Da Technologien eine lange Vorlaufzeit bis zur Marktreife aufweisen und
einmal getätigte Investitionen lange wirksam sind, müssen solche Entscheidungen
gut durchdacht sein. Unser auf fossilen Energieträgern beruhendes Wirtschaftssystem
zeigt die Pfadabhängigkeit, also die Verstärkung von Effekten eines einmal einge-
schlagenen Wegs, deutlich. Investitionen in Straßen beschleunigen beispielsweise die
Rodung tropischer Regenwälder (Laurance und Arrea 2017). Der Bau großer Bewäs-
serungsinfrastruktur (z.B. Staudämme) entscheidet über die Möglichkeit und Kosten
der Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen. Auch unter dem Gesichtspunkt der
Anpassung an den Klimawandel ist die Verfügbarkeit zukünftiger Technologien ent-
scheidend, z.B. angepasste Sorten bei Ackerkulturen, deren Züchtung Jahre in An-
spruch nehmen kann (vgl. Abschnitt 4.3.3.2).
4.3.5 Zusammenfassung und Ausblick
Landnutzung steht in vielfachen Wechselbeziehungen zu anderen Phänomenen des
globalen Wandels. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchen, über die
Definition von globalen Grenzen für Teilaspekte des Systems Erde (Planetary Boundaries)
jenen Bereich festzulegen, innerhalb dessen dauerhaftes menschliches Leben auf der
Erde möglich ist (Steffen et al. 2015; siehe auch Beitrag 4.1). Teilaspekte davon – nur
die für die Thematik Landnutzung wichtigsten konnten in diesem Beitrag diskutiert
werden – beinhalten den Klimawandel, die Einführung neuer Arten in fremde Öko-
systeme (Neobiota), die Zerstörung des Ozonlochs, den atmosphärischen Gehalt an
Aerosolen, die Versauerung der Ozeane, die biochemischen Zyklen für P und N, den
Verbrauch an Frischwasser, die Landbedeckung und die Integrität der Biosphäre. Aus
den Ausführungen dieses Beitrags wird deutlich, dass die Landnutzung in nahezu alle
Teilaspekte hineinwirkt. Die lokalen bis globalen Ausprägungen der Landnutzung
entscheiden über den Zustand und die zukünftige Entwicklung des Systems Erde.
Dem Konsumverhalten der Menschen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Bis
zur Mitte des 21. Jahrhunderts könnte die Weltbevölkerung von derzeit rund 7 Mrd.
auf über 9 Mrd. Menschen wachsen. Aufgrund des steigenden Wohlstands wird ein
Mehrbedarf an Nahrungsmitteln von bis zu 100% erwartet (Tilman et al. 2011). Da
bereits heute planetare Grenzen überschritten werden und sich die globalen Produktions-
bedingungen durch den Klimawandel eher verschlechtern dürften, erscheinen nachhal-
tigere Formen der Landnutzung in Verbindung mit einem veränderten Konsumver-
halten unausweichlich. Das betrifft insbesondere den Verbrauch an Flächen für Sied-
lungen, Infrastruktur und wirtschaftliche Aktivitäten, den Abbau nichterneuerbarer
Ressourcen und die Nachfrage nach land- und forstwirtschaftlichen Gütern, darunter
tierische Produkte mit ihrem charakteristisch hohen Ressourcenbedarf.
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima