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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
ÖSD werden häufig auf die ökologische Rolle der einzelnen Mitglieder eines Öko-
systems bezogen und nicht auf die Gesamtheit des Systems. So können verschiedene
Arten von Organismen ähnliche Funktionen haben und dann innerhalb des Systems
funktionell oder ökologisch redundant erscheinen. Diese Redundanz ist positiv, da
eine Leistung dann von verschiedenen Elementen unterstützt wird und damit gegen-
über Einflüssen stabiler ist. Darauf beruht das Konzept der Resilienz von Ökosystemen
(siehe Beitrag 4.1). Die Annahme von Redundanz erweckt jedoch den Anschein, dass
manche Elemente in einem Ökosystem nicht nötig wären. Tatsächlich wird in einer
auf ÖSD beruhenden Risikoabschätzung das Verschwinden einer Art, die eine einzig-
artige ökologische Rolle innehat, schwerwiegender beurteilt als das Verschwinden einer
Art, die funktionell redundant erscheint. Dies mag kurzfristig plausibel erscheinen, ist
aber Ausdruck eines eher naiven Verständnisses von Ökologie. In einem Ökosystem
finden Arten aufgrund von aktuell herrschenden Bedingungen zusammen. Mit sich än-
dernden Bedingungen kann auch die ökologische Redundanz variieren. Es ist daher
schwierig abzuschätzen, welche Elemente notwendig sind, um eine Leistung langfristig
erhalten zu können.
Die Reduktion eines ökologischen Mechanismus auf eine ÖSD für den Menschen
stellt immer eine Vereinfachung dar. Der Wert einer ökologischen Leistung kann nur
verstanden werden, wenn alle möglichen Leistungen und deren zukünftige Entwick-
lungen bekannt sind. Wenn die ökologischen Zusammenhänge nicht bekannt sind,
wird auch die Leistung nicht unbedingt als solche erkannt. Der ökologische Mecha-
nismus wäre dann in seiner Wichtigkeit für den Menschen unterbewertet. So werden
erst in neuerer Zeit stabilisierende Effekte von Großsäugern auf den Nährstoffhaushalt
des Bodens diskutiert (z.B. Doughty et al. 2016) oder die ökologische Rolle der großen
Bartenwale untersucht (Roman et al. 2014). Diese neuen Entwicklungen zeigen, dass
die Beurteilung, welche ökologischen Dienstleistungen wir erwarten, noch nicht ab-
geschlossen ist. Dadurch entsteht eine sehr hohe Unsicherheit bei der Bewertung und
Anwendung der ÖSD.
Literatur
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Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima