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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
4.5 Raumplanung für eine nachhaltige Entwicklung
Gernot Stöglehner
Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung,
Department für Raum, Landschaft und Infrastruktur (RALI)
gernot.stoeglehner@boku.ac.at
4.5.1 Aufgaben und Funktionen der Raumplanung
Raumplanung wird seit der Sesshaftwerdung der Menschen betrieben, um den Raum
und seine Ressourcen nutzbar zu machen. Anfänge von Raumplanung können z.B.
in der Gestaltung von Siedlungen (Reicher 2014) oder in der Nutzbarmachung land-
wirtschaftlicher Flächen z.B. durch die Dreifelderwirtschaft (Krausmann 1998; Schwack-
höfer 1988) erkannt werden. Dabei wurden in jeder Epoche planerische Erwägungen
angestellt, z.B. die planmäßige Gestaltung römischer Legionslager nach bestimmten
Gestaltungsprinzipien (Schirmacher 1988) oder die Planung mittelalterlicher Städte
um einen Marktplatz und von der Umgebung durch Stadtmauern klar getrennt, um
militärischen Schutz zu gewährleisten. Auch Feuersicherheit und Hygiene spielten eine
wichtige Rolle in der Planung (vgl. z.B. Hägermann 2005; Reicher 2014).
Der zunehmende gesellschaftliche Fortschritt macht auch die Aufgaben komplexer.
Dabei gilt es, eine Vielzahl von Nutzungsansprüchen an den Raum zu berücksichti-
gen, wie z.B. Wohnen, betriebliche Nutzungen im produzierenden Gewerbe, in der
Industrie, im Handel und den Dienstleistungen, öffentliche Einrichtungen, Freizeit-
und Erholungsnutzungen, die landwirtschaftliche Nutzung, aber auch den Schutz von
Lebensräumen für wildlebende Tiere und Pflanzen. Zeitgemäße Raumplanung, wie
sie heute betrieben wird, hat sich ab der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entwickelt.
Bis in die Mitte der 1970er-Jahre haben alle Bundesländer die Erstfassungen ihrer
Raumplanungs- bzw. Raumordnungsgesetze1 erlassen, auf deren Basis Raumplanung
heute betrieben wird. Das Oberösterreichische Raumordnungsgesetz, das hier als Bei-
spiel dienen soll, umreißt die Aufgaben so: „Raumordnung im Sinne dieses Landes-
gesetzes bedeutet, den Gesamtraum und seine Teilräume vorausschauend planmäßig
zu gestalten und die bestmögliche Nutzung und Sicherung des Lebensraumes im
Interesse des Gemeinwohles zu gewährleisten; dabei sind die abschätzbaren wirt-
schaftlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung, die freie Entfal-
tung der Persönlichkeit in der Gemeinschaft sowie der Schutz der natürlichen Um-
welt als Lebensgrundlage des Menschen zu beachten“ (§1 Abs. 2 Oö. ROG 1994).
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1 Während im wissenschaftlichen Diskurs verschiedene definitorische Abgrenzungen von Raumpla-
nung und Raumordnung anzutreffen sind, werden die Begriffe in der Planungspraxis üblicherweise
synonym verwendet. In diesem Beitrag wird der Einfachheit halber im Folgenden nur noch der Begriff
Raumplanung verwendet, wobei Raumordnung im Sinne der Synonymität mit gemeint ist.
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima