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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
Raumplanung übt sowohl Ordnungs- als auch Entwicklungsfunktionen aus (Mäding
2009). In der Ordnungsfunktion werden wesentliche Schutzansprüche zum Ausdruck
gebracht, um sensible und störende Landnutzungen voneinander zu trennen. Die
Ordnungsfunktion kann z.B. dadurch umgesetzt werden, dass Wohnnutzungen nicht
direkt neben Industrieanlagen angesiedelt werden oder dass Landschaftsräume, die für
den Erhalt der Biodiversität, für die Agrarproduktion oder die landschaftsgebundene
Erholungsnutzung bedeutend sind, von Bebauung und Infrastruktureinrichtungen2
freigehalten werden. Bei der Entwicklungsfunktion geht es darum, Optionen für zu-
künftige Raumnutzungen zu eröffnen: So wird z.B. Raum für wirtschaftliche Ent-
wicklung geschaffen, wenn Bauland für Industrie und Gewerbe ausgewiesen und
durch technische Infrastruktur erschlossen wird. Durch verschiedene Maßnahmen
können Flächen für die Nutzbarmachung von Umweltressourcen freigehalten werden,
seien dies z.B. Vorrangzonen für die Windenergienutzung oder für die landwirt-
schaftliche Nutzung.
Im Folgenden wird gezeigt, welchen Herausforderungen Raumplanung gegenübersteht,
mit welchen Planungsprinzipien nachhaltige Raumentwicklung unterstützt werden
kann, welche Raumplanungsinstrumente zur Verfügung stehen und welche Bedeu-
tung Raumplanung für die Gestaltung der Energie- und Ressourcenwende sowie für
die Bioökonomie entfalten kann.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Raumplanung selbst ein komplexes Geflecht aus
rechtlichen Rahmenbedingungen – den Raumplanungs- bzw. Raumordnungsgesetzen –
und den darin verankerten Planungsinstrumenten ist. Sie koordiniert verschiedene
öffentliche und private Interessen im Raum. Entscheidungen werden von Planerinnen
und Planern auf Basis fachlicher Grundlagen und entsprechender Planungsmethoden
vorbereitet, in demokratisch legitimierten Gremien getroffen und von verschiedenen
Akteurinnen und Akteuren bzw. Planungsbetroffenen beeinflusst. Daher ist Raum-
planung eine Querschnittsmaterie, die naturräumliche, soziale, kulturelle und öko-
nomische Aspekte der Raumnutzung zu berücksichtigen hat.3 Planungsprozesse wer-
den so gestaltet, dass ein Mindestmaß an Öffentlichkeitsbeteiligung im Sinne von
Informations- und Stellungnahmerechten gewährleistet ist. Vielfach werden aber auch
Entscheidungen, die Einfluss auf die Raumentwicklung haben, außerhalb des
Raumplanungssystems getroffen, z.B. im Förderwesen, in der Agrar-, Wirtschafts-
und Energiepolitik. Aber auch Lebensstile und Wirtschaftsweisen beeinflussen die
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2 Infrastruktur umfasst die Einrichtungen des Raumes, die dessen Nutzung ermöglichen. Es wird zwi-
schen technischer Infrastruktur (z.B. Straßen, Eisenbahnen, Flughäfen, Häfen, Wasserversorgung,
Abwasserentsorgung, Energieversorgung, Kommunikationsreinrichtungen) und sozialer Infrastruktur
(z.B. Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Universitäten, medizinische Versorgung, Alten- und
Pflegeheime, Polizei, Rettung und Feuerwehr) unterschieden (vgl. z.B. Zapf 2005).
3 Vergleiche dazu die Darstellung der Aufgaben der Raumordnung im Oberösterreichischen Raum-
ordnungsgesetz.
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima