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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
für Kraftwerksstandorte wie Biomasseheizwerke oder Windkraftanlagen, die einen rei-
bungslosen Betrieb der Anlagen gewährleisten). Des Weiteren können auch ausreichend
Flächen für die Primärproduktion gesichert werden (z.B. die oben angesprochenen
Vorrangflächen für landwirtschaftliche Produktion oder für die Windkraftnutzung).
4.5.6 Raumplanung und ihre Bedeutung für die Ressourcen-
wende und die Bioökonomie
Jeder Mensch verfügt über einen gewissen Ressourcengarten, das ist jene biologisch
produktive Landfläche, die die Lebensgrundlage pro Kopf darstellt. Wie zahlreiche
Berechnungen des ökologischen Fußabdrucks belegen, ist dieser Ressourcengarten
bereits massiv überbeansprucht (Stöglehner et al. 2016). Die Energie- und Ressourcen-
wende im Sinne einer Bioökonomie wird diesen Druck noch weiter verschärfen (Stög-
lehner 2018). Bedeutende Funktionen der Raumplanung für die Bioökonomie sind
daher die Sicherung agrarischer Produktionsflächen und die Orientierung des Manage-
ments von Ressourcenketten an den räumlichen Bedingungen.
Stöglehner (2018) argumentiert, dass speziell bei der Nutzung von Biomasse das
Schließen von Nährstoffkreisläufen von Bedeutung ist. Biomasse weist vielfach einen
hohen Wassergehalt und geringere Haltbarkeit auf. Für die stoffliche Nutzung werden
Zwischenprodukte, z.B. in „grünen Bioraffinerien“ (Gwehenberger et al. 2007) her-
gestellt, die aufgrund höherer Transportierbarkeit und Haltbarkeit zu den verar-
beitenden Betrieben gebracht werden können. Die Reststoffe aus den Bioraffinerien
werden noch für die Energienutzung verwendet, z.B. in Biogasanlagen. Letztlich
müssen Reststoffe, üblicherweise Schlämme, als Dünger auf die Felder zurückgeführt
werden. Transportdistanzen sind also ein wesentlicher Faktor und ab einer gewissen
Entfernung der bestimmende Faktor für die Umweltfolgen im Lebenszyklus (Stög-
lehner und Narodoslawsky 2009).
Für jede technische Anlage gilt – auch in der Biomasseverarbeitung: Je größer eine
Anlage ist, desto ökonomisch effizienter kann sie normalerweise betrieben werden
(Skaleneffekte, „economies of scale“). Wird nun das Problem der Transportdistanzen
berücksichtigt, sind geringere Entfernungen, d.h. mittlere Anlagen mit kleineren
Einzugsgebieten, von Vorteil. Es ist also eine „ecology of scale“ mitzuberücksichtigen.
Um diese Aspekte zu verknüpfen, sind Anlagen mit mittleren Produktionskapazitäten
und geringeren Einzugsradien von Vorteil (Gwehenberger et al. 2007).
Dieses Beispiel zeigt, dass für eine nachhaltige Entwicklung das Konzept einer regio-
nalisierten Bioökonomie zu bevorzugen ist. Dabei werden Ressourcenströme durch
gestreute Schwerpunktbildungen organisiert, wie sie die Raumplanung z.B. im Leit-
bild der dezentralen Konzentration kennt. Bei der Planung solcher Schwerpunkte
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima