Page - 146 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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146 G. Beck V. Mannagetta.
A. V. Kerner leitete diese Periode pflanzengeographiseher Forschung
durch „Das Pflanzenleben der Donauländer" (Innsbruck 1863) in glänzender
Weise ein. In diesem classischen Werke schildert Kerner nicht nur die
Vegetation des ungarischen Tieflandes und des Bihariagebirges, sondern auch
die Pflanzendecke des nordwestlichen Theiles von Niederösterreich, des „Wald-
viertels", sowie jene des Achen- und Oetzthales in lebendigster Weise. Meister-
haft verstand er es, den Totaleindruck des Landschaftsbildes, die Entwicklung
und den gesetzmässigen Aufbau der einzelnen Vegetationsformationen wenig-
stens mit ihren tonangebenden Pflanzen vors Auge zu stellen und deren Ab-
hängigkeit von den klimatischen Factoren, sowie von der physikalischen und
chemischen Zusammensetzung des Bodens aufzudecken. Obwohl dieses Werk
zu ähnlichen Studien begeistern musste, fanden Kerners tiefeindringende
Naturstudien doch nur wenig Nachahmung. Nur G. v. Beck vermochte in
ähnlichem Sinne ein mehr in wissenschaftlichem Rahmen gehaltenes Bild der
Vegetation des südlichen Wienerwaldes in seiner „Flora von Hernstein" (Wien
1884)zuentwerfen. In desselben Verfassers „Flora vonNiederösterreich" wurden
weiters die Vegetationsformationen von ganz Niederösterreich erläutert. Auch
A. V. Kerner skizzierte noch in „Oesterreich-Ungarns Pflanzenwelt" (Oesterr.-
ungar. Monarchie, Uebersichtsband, 1886) die Vegetationsformationen unserer
Länder. Sonst aber wurden derartige die Physiognomie der Landschaft und
die Vegetationsformationen eines grösseren Theiles unseres Gebietes behan-
delnde Studien nicht weiter geliefert. Andere Forscher aber brachten wert-
volle Beiträge zur Kenntnis einzelner Vegetationsformationen zur Veröffent-
lichung.
Den Torfmooren wurden zuerst eingehende Studien zutheil. Sie wurden
geliefert durch: A. Pokorny (mehrere Arbeiten, ZBG. 1858, 1859); v. Lo-
renz, Moore Salzburgs (Flora, 1858); Hochmoore (ZBG. 1858); Vierhapper,
Waidmoor (Ver. f. Naturk. Oberösterr., 1883); J. Allram, Hochmoore des
Waldviertels (Stein der Weisen, 1891); G. v. Beck, Torfföhren (AWH. 1888);
Die Wälder Dalmatiens und seines Hinterlandes (Wiss. Club, Wien 1895).
Dem Studium der Hochgebirgsformationen widmeten sich: J. Gremblich,
Legföhrenwald (GPr., Halle 1893); Gerolle (Bot. Ver. Landshut 1874—1875);
Alpenwiesen (Samml. wiss. Abb., Nr. 66, Wien).
Den Tieflandformationen hatte schon S. Reissek in seiner „Vegetations-
geschichte des Rohres an der Donau" (ZBG. 1859) eingehendes Studium ge-
widmet.
F. KraSan behandelte „Die Bergheide der südöstlichen Kalkalpen"
(Engl. Jahrb., 1884).
lieber die Vegetation kleiner Gebiete liegen einige Formationsstudien
vor. A. v. Kerner behandelte den „Jauerling in Niederösterreich" (ZBG.
1855) und G. v. Beck gab einen Abriss der Vegetation von Abbazia (in Schu-
bert, „Park von Abbazia", 1894) und der Wachau (Ver. f. Landesk. Nieder-
österr., 1898).
Zum Studium des Einflusses der klimatischen Factoren auf die Vege-
tation, namentlich aber der durch dieselben bedingten Höhengrenzen und der
topographischen Vertheilung der Gewächse in Regionen, hatten bereits vor
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie