Page - 167 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Heinrich AVillielm Kcichavdt (geboren 16. April 1835 zu I"-Iau, o-e-
storben am 2. August 1885), in allen Fäeliern der scientia amabilis daheim
und schriftstellerisch thätig, hat sich auch auf dem Felde der Pilzkunde
Lorbeeren erworben und auch hier Beweise für seine ausserordentliche Formen-
kenntnis, sein vielseitiges und gründliches Wissen erbracht. In zahlreichen
kleineren Studien und Mittheihingen, die liau])tsächlich in den Verhandlungen
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft erschienen oder daselbst in den
Sitzungsberichten Platz fanden, finden wir wertvolle Beiträge zur Natur-
geschichte einzelner (h-uppen oder Arten der Pilze und Bemerkungen über
ihre geographische Verthcilung. Ausser diesen sich nebenbei ergebenden
Notizen trat Reichardt mit zwei grösseren Studien hervor. Die eine der-
selben bezieht sich auf die wissenschaftliche Bearbeitung jener Pilze, welche
gelegentlich der „Novara"-Expedition von Hochstetter und Jelinek in ver-
schiedenen aussereuropäischen Gebieten gesammelt wurden. Die Diagnosen
der in dieser Collection befindlichen neuen Arten wurden bereits im Jahr-
gange 1860 unserer Vereinsschrift dem mykologischen Publicum zur Kenntnis
gebracht; die Gesammtaufzählung der Ausbeute erfolgte später (1870J im
ersten Bande der im Allerhöchsten Auftrage unter der Leitung der kais.
Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Werke über die Ergebnisse
der „Novara"-Expeditiou; es werden hier zu allen Pilzen die Literaturquellen
citiert, die bereits publicierten Diagnosen der neuen Arten wiederholt und er-
weitert und die bemerkenswertesten Formen abgebildet. Die Bearbeitung
der exotischen Pilze war zu jener Zeit keine leichte Aufgabe, denn es man-
gelten damals in den Sammlungen Wiens die Belege der oft nur flüchtig und
ohne Rücksicht auf anatomische Merkmale und mikroskopische Messungen
beschriebenen tropischen Pilze, es fehlte ferner ein zusammenfassendes myko-
logisches Werk. Nur die Sach- und Literaturkenntnis Reichardts konnte
die Aufgabe erfolgreich lösen. Die zweite grössere mykologische Studie Rei-
chardts ist der Commentar zu C. Clusius' „Naturgeschichte der Schwämme
Pannonieus", welche in der Festschrift zur Feier des fünfundzwanzigjährigen
Bestehens der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien (1876) Auf-
nahme fand. Es wurden in dieser Arbeit sämmtliche von Clusius, dessen
Leben und AVirken Reichardt besonders anzog und auch zu anderweitigen
Studien veranlasste, beschriebenen Pilze (insgesammt 102 Arten) eingehend
studiert, mit den rechtsgiltigen neueren Arten identificiert und, nach dem
Systeme von E. Fries angeordnet, aufgezählt. Als Lehrer der Kryptogamen-
kunde an der AA^iener Universität besass Reichardt nicht nur die Gabe, den
Gegenstand in klarer, übersichtlicher Weise seinen Schülern mitzutheilen, er
wirkte auf diese auch anregend, und viele Forscher, die sich später auf dem
Gebiete der Mykologie hervorthaten, verdanken ihm die wissenschaftliche
Grundlage zu ihren Arbeiten.
Friedrich AAllhelm Lorinser (geboren am 13. Februar 1817 zu
Niemes, trat nach A'ollendung seiner medicinischen Studien als Arzt in das
k. k. AA^iedener Krankenhaus ein, zu dessen Director er 1871 ernannt wurde;
1892 wurde er unter Bewilligung der Fortführung des Titels als k. k. Sani-
tätsrath in den Ruhestand versetzt und starb im Jahre 1895) wirkte schrift-
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie