Page - 168 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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168 A. Zahlbruckner.
stelleriscli auf dem Gebiete der Medicin und Botanik. Kleine Arbeiten myko-
logischen Inhaltes erschienen in der OeBZ. (1879 und 1884). Sein Haupt-
werk ist „Die wichtigsten essbareu, verdächtigen und giftigen Schwämme",
welches im Jahre 1876 in E. Hölzls (Wien) Verlage erschien, üie Arbeit
gliedert sich in zweiTheile: der eine ist ein Atlas, welcher auf 12 Tafeln in
Farbendruck die in ökonomischer Beziehung wertvollen und die giftigen Pilze
zur Darstelluug bringt; der zweite Tlicil ein in einem kleineren Formate ge-
haltener Text, welcher die Beschreibungen der abgebildeten Arten sowie An-
gaben über die Geniessbarkeit oder Schädlichkeit derselben enthält.
Der productivste der österreichischen Mykologen war Felix Baron v.
Thümen. Er wurde am 6. Februar 1839 zu Dresden geboren, diente
zuerst als Officier in der preussischen Armee, musste jedoch infolge eines
unglücklichen Sturzes diese Laufbahn verlassen und wendete sich der Land-
wirtschaft zu, die er praktisch erlernte; im Jahre 1876 wurde er als Adjunct
der chemisch-physiologischen Versuchsstation in Klosterneuburg angestellt.
Hier war er durch eine Sonderstellung, welche ihm freie Verfügung über seine
Zeit gestattete, in die Lage versetzt, sich ganz dem Studium der Pilze widmen
zu können. Später zwang ihn ein hartnäckiges Leiden, mehrfach sein Domicil
zu wechseln, und stets der Klosterneuburger Anstalt angehörend, weilte er in
Wien, Görz, Berlin und Teplitz. Er starb am 13. October 1892 in Schönau.
Seine ersten botanischen Arbeiten befassten sich mit den Phanerogamen, doch
verliess er dieses Gebiet bald, um sich gänzlich der Mykologie zu widmen.
Durch unermüdlichen Fleiss gelang es Thümen in kurzer Zeit, sich in der
Pilzkunde eine grosse Formenkenntnis und Vertrautheit mit der einschlägigen
Literatur zu erwerben; diese im Vereine mit einem vorzüglichen Gedächtnisse
führte ihn zunächst der Pilzfloristik zu und ermöglichten es ihm, nicht nur
seine eigenen reichhaltigen Aufsammlungen, sondern auch das ihm von an-
deren Sammlern übermittelte, aus allen Theilen der Welt stammende Material
wissenschaftlich zu bearbeiten. Die Resultate seiner Bestimmungsarbeiten
legte Thümen in Abhandlungen, welche in verschiedenen Zeit- und Vereins-
schriften Aufnahme fanden, nieder; alle diese pilzfloristischen Schriften ent-
halten Beiträge über die geographische Vertheilung, Beschreibung neuer Arten
aus den verschiedensten Ländern, Verbesserungen der Diagnosen bereits be-
kannter Pilze und zahlreiche kritische Bemerkungen. Diese Kategorie seiner
Schriften behandelt Beiträge zur Kenntnis der Pilzflora der Umgebung von
Krems (1874), Böhmens (1875), Sibiriens (1877—1882), Südafrikas (1877/78),
Portugals (1878—1881), Aegyptens (1880), Oberfrankens (1879), Nord- (1878)
und Südamerikas (1878) und Australiens (1878/79); im Vereine mit W. Voss
veröffentlichte er Beiträge zur Pilzflora von Wien (1878) und im Vereine mit
J. Bolle (1880) eine Mittheilung über die Pilze des Litorale. Auch seine
„Reliquiae Libertianae" sind dem pilzfloristischen Theile seiner mykologischen
Thätigkeit zuzurechnen. Mit dem Antritt seiner Stellung an der önologisch-
pomologischen Anstalt in Klosterneuburg beginnt ein neuer Abschnitt in der
mykologischen Thätigkeit Thümens, welche durch eben diese seine Stel-
lung bedingt war. Er wendet sich von nun an mit Vorliebe jenen Pilzen
zu, welche Krankheiten au den Culturgewächsen erregen und durch ihre
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie