Page - 188 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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188 A. Zahlbnickner.
Aiilass geben. Eine kleine Arbeit von F. A. Dietl (1851) über das isländi-
sche Moos, Cetraria islandica, befasst sich mit der Frage, inwieferne diese
Flechte der Menschheit von Nutzen sein könne. Lebhafter gestaltete sich die
Discussion über die Mannaflechte, den Liehen esculentus des Pallas. Anlass
hiezAi bot der Mannaregen bei Carput in Kleinasien, über welchen Haidin-
ger (1864) berichtet, und die Mittheilung über einen zweiten ähnlichen Fall
bei Jenischehr, ebenfalls in Kleinasien, durch S. Reisseck. lieber diesen
Gegenstand schrieb dann Niessl (1865) und H. W. Reichardt; letzterer schil-
dert eingehend das Geschichtliche des Themas, verbreitet sich über den Bau
und die Lebensweise der Mannaflechte und über die Stellung der Flechte im
System.
Am Schlüsse unserer Schilderung der Betheiligung Oesterreichs an der
Entwicklung der Lichenologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
müssen noch einige Arbeiten Erwähnung finden, die in den Rahmen des oben
Geschilderten nicht recht passten. Zwei dieser Publicationen beziehen sich auf
die von 0.Kuntze ins Rollen gebrachte Nomenclaturfrage ; insoferne es sichum
Flechtengattungen handelte, äusserten sich darüber K. Fritsch in der OeBZ.
und A. Zahlbruckner in der „Hedwigia" (1890). Einen Vortrag über Flech-
tensysteme, welchen Fr. Hazslinszky hielt, finden wir in den Mittheilungen
der königl. ungar. Akademie abgedruckt. Als Historiograph der Lichenologie
bethätigte sich Graf A. v. Bentzel-Sternau, der in einer kleinen, auf Kosten
des Vereines für Natur- und Heilkunde in Pressburg herausgegebenen Bro-
schüre, gedrängt, aber übersichtlich geschildert, einen mit Acharius begin-
nenden und bis zum Erscheinen des Schriftchens reichenden Abriss der Lei-
stungen auf dem Gebiete der Flechtenkunde bringt.
4. Moose.
Von Dr. Karl v. Keissler (Wien).
Während bis zu den Fünfzigerjahren nur wenige kleinere Beiträge zur
Moosflora einzelner Theile von Oesterreich erschienen waren und an zusam-
menfassenden Werken über einzelne Kronländer oder das ganze Reich fast
nichts publiciert war, hat sich seitdem ein bedeutungsvoller Aufschwung in
der bryologischen Erforschung Oesterreichs ergeben, und dieser Aufschwung
ist zugleich — wenigstens der Hauptsache nach — der Ausdruck dessen,
was in Oesterreich vom Jahre 1850—1900 in der Bryologie überhaupt ge-
leistet worden ist; denn wenn in Oesterreich in der genannten Zeitperiode
auch auf anderen Gebieten der Mooskunde gearbeitet wurde, so treten diese
Arbeiten doch gegenüber der bryologischen Erforschung des Landes selbst
mehr in den Hintergrund.
Zwei Männer sind es vor allem, die sich besonders hervorgethan haben,
nämlich Juratzka und Breidler.
Jakob Juratzka wurde im Jahre 1821 zu Olmütz geboren; er bezog
im Jahre 1844 die technische Hochschule in Wien, vollendete im Jahre 1849
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie