Page - 206 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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206 R. V. Wettstein.
sie hat selbst auf solche Forscher ihren Einfliiss ausg-eübt, die in diesem
Zeiträume arbeiteten, ohne gerade bewusst jenen Einfluss auf sich wirken
zu lassen. So finden wir den Ausdruck dieser Richtung in einer ganzen
Reihe von in den letzten Jahren erschienenen Florenwerken, die neben pflanzen-
geographischem Interesse auch systematisches bieten, so in der inhaltsreichen
Flora von Niederösterreich ^) von G. v. Beck (geb. 25. August 1856 zu Press-
burg in Ungarn, derzeit Professor und Director des botanischen Gartens der
deutschen Universität in Prag), in dessen „Flora von Hernstein in Nieder-
österreich'*,2) „Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina'",^)
in dem gründlich gearbeiteten „Prodromus einer Flora von Böhmen" von
L. Celakovsky,-) in der wertvollen „Flora von Mähren und Schlesien" (1881)
von A. Oborny, in der „Flora von Südistrieu" von J. Freyn (ZBG. 1877),
dessen sonstige umfassende pflanzengeographische Arbeiten, sowie einzelne
monographische Studien"') eine Fülle systematisch wichtiger, auf gründlicher
Untersuchung beruhender Mittheilungen enthalten, in der jüngst erschienenen
(1896/97) „Flora di Trieste" von C. Marchesetti und in E. Pospichais
„Flora des österreichischen Küstenlandes" (1897—1899), in Fächer und
Jaborneggs „Flora von Kärnten-' (1881—1887, Nachtrag 1894), in Vele-
novskys „Flora Bulgarica" (1891, Supplementum 1898), in K. Fritsch'
„Beiträge zur Flora Salzburgs" (ZBG. 1888, 1889, 1891, 1894, 1898,
5 Theile) und des Orients (ZBG. 1894, 1895, 1899, 5 Theile), in Wett-
steins „Beitrag zur Flora Albaniens" (Bibliotheca bot. Nr. 26) u. a. Ander-
seits kann aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass Kerners oben prä-
cisierter Standpunkt oft missverstanden wurde und dieses Missverstehen auch
manchmal zu Ausartungen der Richtung führte. Auch darf Kerners Stand-
punkt in der Systematik der Pflanzenarten überhaupt nicht verwechselt werden
mit dem ebenfalls auf Unterscheidung kleinster Formen hinauslaufenden man-
cher seiner Vorgänger und Nachfolger. Von ersteren wäre zu nennen F. Schur
(geb. 18. Februar 1799 zu Königsberg in Preussen),'^) der 1845—1854 in
Siebenbürgen botanisierte und viel für die floristische Erforschung des Landes
leistete,'^) durch seinen Scharfblick den Polymorphismus mancher Pflanzen-
gruppe richtig erkannte,**) aber durch zuweit gehende und zu wenig präcise
Unterscheidung der Sippen der Systematik manche Schwierigkeit bereitete.
G. V. Beck, dessen hervorragendste Florenwerke wegen ihres syste-
matischen Wertes eben genannt wurden, hat auch, abgesehen von seiner
pflanzengeographischen Thätigkeit, eine grosse Anzahl systematischer und
morphologischer Arbeiten veröifentlicht. Von ersteren sind insbesondere mono-
graphische Bearbeitungen der Gattungen Orobanche,^) Lmla,^^) Hieracium,^^)
1) Wien, Carl Gerolds Sohn, 1890—1893.
2) Wien 1886.
3) AWH. 1886—1898, 9 Theile.
4) Herausgegebenvom Comite für dienaturvvisseuschaftlidu' DurchforschungBöhmens 1867.
">) Ueber einige kritische Ärahis-Arten (OeBZ. 1889, 8. 101).
«) Vgl. OeBZ. 1876, S. 1.
7) Enura. plant. Transsilv. 1866.
8) Vgl. auch Phytograjjhische Mittheilungen (^NVB. XXXIII, 1895).
^) Monographie in Bibliotheca botanica XIX (1890).
i'M Monographie der europäischen /««/«-Arten (DWA.XLIV [1881]).
1 1 ) Flora von Hernsteiu. Wien 1884.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie