Page - 209 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Mnrpholoj^dc, Kut\vickliiiij;sj:eschi('litc und Systoniatik der Ph;uu'io.i;;iiiK'n. ^OU
1871 ZU Wien) in erfolgTeicher AVeise einer experimentellen Behandlung- unter-
zogen.^) Von grossem descendenztheoretiscben Werte sind die Arbeiten A.
Cieslars (geb. 25. September 1858 zu Blogotitz in Schlesien), welcher in
experimenteller Weise den EiuHuss localer Verhältnisse auf die individuelle
Entwicklung- und die Vererbbarkeit so gewonnener Eigenthiimlichkciten bei
Forstgewächsen studierte.-)
Ein Botaniker, der seit Jahrzehnten in Oesterreich neben floristiseher,
paläontologischer und physiologischer Thätigkeit sich deseendenztheoretischen
Fragen widmet und dieselben zum Tlieil auch auf experimentellem Wege
einer Beantwortung zuzuführen trachtet, ist F. Krasan (geb. 2. October 1840
zu Sempas bei Görz, derzeit Schulrath in Graz).^) Speciell dem Einflüsse
standortlicher Verhältnisse auf die Pflanzen hat er seine Aufmerksamkeit zu-
gewendet. Von descendenztheoretiscben Gesichtspunkten war eine Abhand-
lung von J. Pohl über die Variationswerte von Oenothera Lamarclda)ia (OeBZ.
XLV, S. 166) und von C. Fuchs über CijUsns Adami (SWA. 1898) beeinflusst.
Wir haben früher die ersten Jahrzehnte der zweiten Hälfte des 19. Jahr-
hunderts als eine Periode des Ausruhens, des Gewinnens neuer Methoden
und Gesichtspunkte für die systematische Botanik bezeichnet. In der That
hat diese Periode dieser ihrer Bedeutung für die Systematik vollauf ent-
sprochen. Mit ganz anderen Erfahrungen und Arbeitsmitteln ausgerüstet,
können wir heute wieder an die Beantwortung systematischer Fragen schreiten.
Die Ergebnisse der Anatomie und Physiologie, dann jene der Er-
satzwissenschaft der letzteren, der Oekologie, setzen uns in die Lage, in
vielen Fällen das Wesen eines Merkmales zu erkennen, seine Bedeutung
für die systematische Stellung einer Pflanze zu beurtheilen. Wir werden ins-
besondere in vielen Fällen zwischen tief in der Organisation der Pflanzen
begründeten und auf secundäre Anpassungen zurückführbaren Eigenthümlich-
keiten unterscheiden können.
Die Resultate der Pflanzengeographie haben uns in grossen Zügen
mit dem Entwicklungsgange ganzer Floren, mit den Beziehungen derselben
zu einander vertraut gemacht, sie geben uns dadurch wertvolle Hinweise,
wenn wir die verwandtschaftlichen Beziehungen der Pflanzen zu ergründen
trachten.
Die Entwicklunggeschichte und die vergleichende Morpho-
logie haben uns vielfach Beziehungen von Pflanzengruppen zu einander auf-
als „zu dem AVichtigsten gehörig, was seit Koelreuters Untersuchungen über Bastarde ver-
öffentlicht worden ist". Biographische Daten über Mendel vgl. Correns (a. a. 0.)
1) Ueber künstliche Kreuzung bei Pimm saticnm (Zeitschr. f. d. landw. Versuchswesen in
Oesterreich 1900, Heft b\
2) Die Zuchtwahl in der Forstwirtschaft (Ceutralbl. f. d. ges. Forstwesen 1890). Die Erb-
lichkeit des Zuwachsveruiögens bei den Waldbäumen (a. a. 0. 1895). Neues aus dem Gebiete
der forstlichen Zuchtwahl fa. a. 0. 1899).
:*) Ueber biographische Daten vgl. OeBZ. 1888, S. 1, woselbst sich auch ein Schriftenver
zeichnis tindet; von späteren deseendenztheoretischen Arbeiten vgl. insbesondere: Ueber conti-
nuierliche und sprungweise Variation (Euglers Jahrb. l.sssi; Kalk und Dolomit in ihrem Einflüsse
auf die Vegetation (OeBZ. 1889); Zur^Vbstannuungsgeschichte autochthoner Ptianzenarten (NVÖt.
I89(j); Untersuchungen über die Variabilität der stcirisciicn Formen <\av Kmaitla .<ilvaticu-ari-cmis
T^y^*' —
''^'' Untersuchuugen über die ^'ariabilität der Potentillen aus der t-ey/m-Gruppe (Englers
Jahrb.XXVir»; Ergebnisse meiner neuesten Untersuchungen über die Pohniorpliie der Pflanzen
la.a.U. XXVIII).
Botanik und Zoologie iu Oesteiieich 1850—lUuO. 14
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie