Page - 214 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
Image of the Page - 214 -
Text of the Page - 214 -
214 E. V. Wettstein.
Strobl, F. Süudei-mann, A. Teyber, A. Topitz, J. Ullepitsch {f), A.
AViemanii, P. Winter, E. Woloszcsak, A. Zalewski, H. Zapalowicz.
Wenn hier die Entwicklung der Phytopaläontologie^) anhangsweise
besprochen wird, so entspricht dies allerdings nicht ganz dem Verhältnisse,
in dem diese Disciplin zur systematischen Botanik stehen sollte. Sollten wir
doch erwarten, dass gerade für eine auf phylogenetischen Standpunkt sich
stellende Systematik die Phytopaläontologie eine der wichtigsten Hilfswissen-
schaften bildet, welche nicht bloss die aus dem morphologischen Vergleiöhe er-
schlossenen Vorfahren unserer Pflanzen nachweist oder als nicht existierend
verwirft, sondern die uns insbesondere mit Typen bekannt macht, die einst exi-
stiert haben und aus der Betrachtung der lebenden Pflanzenwelt nicht einmal
erschlossen werden können. Wenn die Phytopaläontologie sich noch nicht zu
dieser Bedeutung emporgeschwungen hat, so liegt dies nicht bloss in der
IJnvollkommenheit der paläontologischen Ueberlieferung, sondern ist auch darin
begründet, dass die Phytopaläontologie viel zu viel ihren Anschluss mehr an
die Zoopaläontologie und Geologie als an die Botanik suchte. Nur ein
Botaniker kann die phytopaläontologische Forschung über das blosse Be-
arbeiten, Benennen und Beschreiben des Materiales hinaus zu höheren Auf-
gaben lenken, und es ist lebhaft zu bedauern, dass noch nirgends durch
Einrichtung von Lehrkanzeln für Phytopaläontologie an Hochschulen und
durch Besetzung derselben durch entsprechend geschulte Botaniker diese
Entwicklung der Richtung angebahnt wurde. Umsomehr ist es zu schätzen,
dass gerade in Oesterreich in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Bota-
nikern sich ohne äusseren Ansporn dem Studium der Phytopaläontologie
widmeten, und wenn sie die Bereicherung der phylogenetischen Forschungs-
richtung mehr anstrebten als durchführten, so ist dies zum Theile auf die
noch nicht ausgereifte Fragestellung seitens der letzteren, zum Theile auf den
kolossalen Umfang des gerade in Oesterreich zur Verarbeitung vorliegenden
Materiales zurückzuführen.
In Oesterreich lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Graf K.
Sternberg,^) einer der Mitbegründer der Phytopaläontologie überhaupt. Um
die Mitte des Jahrhunderts war es das Genie eines F. Unger, das auch hier
bahnbrechend wirkte, wie auf anderen Gebieten der Botanik, auf dem Gebiete
der Anatomie, Physiologie und Pflanzengeographie. Unger (geb. am 30. No-
vember 1800 zu Leutschach, gest. am 12. Februar 1870 zu Graz 3) hat eine
ganze Reihe hervorragender phytopaläontologischer Werke veröffentlicht, von
denen hier nur einige der wichtigsten genannt sein mögen: Synopsis plan-
tarum fossilium (1845), Chloris protogaea, Beiträge zur Flora der Vorwelt
(1847), Genera et species plantarum fossilium (1850), Iconographia plantarum
1) Für mehrfache in diesem Abschnitte verwertete Angaben bin ich Herrn Dr. Krasser
zn Dank verpflichtet.
-) Vgl. F. Palacky, Leben des Grafen Sternberg. Prag 1868.
»j Vgl. A. Keyer, Leben und Wirken des Naturforschers F. Unger. Graz 1871.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie