Page - 223 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
Image of the Page - 223 -
Text of the Page - 223 -
Enfwicklinig <h'v Aiuitninic uiul Physiologie rler Pflanzen. 223
dieser Reactionen und fand eine solche insbesonders für das Salicylaldeliyd,
Anisaldehyd, Zimmtaldehyd und Vanillin. Eigenthiimlich geformte Protein-
körper fand Mikosch (DBG. 1890) in der Blattcpidermis von Oncidium,
Molisch (DBG. 1885) in Zweigen von Epi2)hyUum. Molisch gelang- es auch
(BZ. 1894, 1895), die bis dahin unbekannte Natur des Phycoerythrins und
Phycocyans aufzudecken, diese Algenfarbstoffe zur KrystaUisation zu bringen
und als Eiweisskörper zu erkennen.
Die Entstehung der Chlorophyllkörner wurde von Mikosch (SWA.
1878, 1885) genauer studiert; dieselben entstehen entweder als ,,riasnia-
chlorophyllkörner" oder als „Stärkechlorophyllkörner" oder durch Zweitheilung
fertiger Chlorophyllkörner. Interessant ist die Beobachtung von Mikosch,
dass die Chlorophyll-, resp. Etiolinkörper anfangs häufig eine Spindel- oder
stäbchenförmige Gestalt haben und erst später die typische Form annehmen.
— Wiesner machte die beachtensAverte Entdeckung, dass Neottia nidus avis
Chlorophyll enthalte (BZ. 1871), und zeigte, dass die Chlorophyllmenge in dieser
Pflanze nicht so gering ist, dass sie für die Assimilation belanglos wäre. —
Die spärlichen und unsicheren Angaben über das Vorkommen des Chlorophylls
in der Epidermis der Landphanerogamen veranlassten Stöhr zu einer ein-
gehenden Untersuchung (SWA. 1879), aus welcher resultierte, dass Chloro-
phyll in der Epidermis der grünen Organe (bei Blättern meist in der unteren
Epidermis) der breitblätterigen Gymnospermen und weitaus der meisten Land-
dicotyledonen vorkommt. — Molisch fand eine mikrochemisch verwendbare
Chlorophyllreaction (DBG. 1896) und eine neue Methode, Chlorophyll und
Xanthophyll im Blatte von einander zu trennen und gleichzeitig letzteres zum
Auskrystallisieren zu bringen.
Brückner hat die bekannte Erscheinung der Entfärbung der Jodstärke
in der Hitze erklärt und weiters gezeigt, dass Nägelis Amylodextrin und
Nasses Amidulin nichts anderes als Granulöse ist. — Die rasche Zerstörung
plasmatischer Inhaltsstoffe und die langsame Lösung der Stärke durch Eau de
Javelle lässt dieses Eeagens nach Heinricher als besonders geeignet zum
Nachweis kleinster Stärkemengen erscheinen. — Emma Ott ermittelte den
Brechungsexponenten verschiedener Stärkesorten. — Molisch hat zwei neue
Zuckerreactionen entdeckt, die von überraschender Empfindlichkeit sind und
die heute als Molisch'sehe Reactionen in Chemikerkreisen allgemein bekannt
geworden sind (SWA. 1886).
Wichtige Beiträge zur Kenntnis der Structur, Entwicklungsgeschichte und
des Chemismus der Sphaerite lieferte Leitgeb (M. B. Inst. Graz 1887). Gleich-
zeitig wies Leitgeb nach, dass Pflanzentheile sehr reich an Asparagin sein
können, ohne dass dasselbe in Erscheinung tritt, weil die GegeuAvart gewisser
zähflüssiger Stoffe (z. B. Inulin in den DahUa-KnoWen) das Krystallisations-
vermögen des Asparagins hemmt.
V. Schrötter hat die Verbreitung und Entstehung des Carotins studiert
(BCB. 1895) und ein neues Vorkommen desselben im Arillus von Äfzelia
cuansensis festgestellt. Es gelang ihm auch, den Carotinfarbstoff krystallisiert
darzustellen. Interessant ist die constatierte Aehnlichkeit der Carotinkrystalle
und der Hämatoidinkrystalle des Menschenblutes. — Reinitzer veröffent-
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie