Page - 225 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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stallen bestehen, oder kiystallinisclie Effloreseenzen sind, die unter anderem
Glycoside, freie Fettsäuren und waclisartige .Substanzen enthalten.
Weiss beschrieb das Vorkommen von Calciumoxalatkrystallen in der
Epidermis der Acanthaceen (SWA. 1884). Bemerkenswert ist das Auftreten
von Ortho- und klinorhombischcn Krystallen in derselben Zelle. — Kronfeld
fand — im Geg-ensatze zu den Angaben von Gulliver — in allen unter-
suchten Arten von TypJia Rhaphiden, deren Vorkommen aber auf das Starnen
der männlichen Blüte beschränkt ist (BGB. 1887).— Zur genaueren Kenntnis
der morphologischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften der Cy-
stolithen führte eine Arbeit von Richter (SWA. 1877). Kalkfreie Cysto-
lithen entdeckte Molisch.
Letzterer zeigte auch (SWA. 1881), dass bei einer grossen Anzahl dico-
tyler Holzgewächse kohlensaurer Kalk abgelagert wird, und zwar in der Regel
im Kernholz oder im Mark von todtem Wundholz und in todten Astknoten.
Beobachtungen über Wellung (Faltung) derZellmembran wurden von
Kamienski, Wiesner und Schweighofer gemacht.
Eine Reihe wertvoller Abhandlungen über die Morphologie und Ent-
wicklungsgeschichte der Milchsaftgefässe von Convolvulus, Taraxacum,
Fodospcrmum, Lappa und der Cinchoneen hat A. Vogl veröffentlicht (ZBG.
1863, 1869, SWA. 1863, BZ. 1866) und unter anderem die Richtigkeit der
Ansicht von Unger, nach welcher die Milchsaftgefässe Fusionsgebilde von
Zellen sind, bestätigt. Gleichfalls Fusionsgebilde sind nach denUntersuchungen
von Weiss (SWA. 1885) die geghedcrten Milchsaftgefässe im Fruchtkörper
von Lactarius deliciosus. Eine eingehende Darstellung der Entwicklungs-
geschichte des Milchsaftsystems der Convolvulaceen hat Czapek in einer
umfangreichen Arbeit (SWA. 1894) gegeben. Wilhelm verötfentlichte Unter-
suchungen über die Milchsaftbehälter der Sapotaceen. In einem jüngst er-
schienenen Buche (Jena 1901) bringt Molisch eine Fülle neuer Thatsachen über
Bau, Organisation und Ghemie des Milch- und Schleimsaftes, wodurch unsere
Kenntnisse über diese Pflanzensäfte einen wesentlichen Fortschritt erfahren.
Aus Wilhelms „Beiträgen zur Kenntnis des Siebröhrenapparates^'
(Engelmann 1880) heben wir die Entwicklungsgeschichte der Siebplatten bei
Cucurbita, die Entdeckung "der „Geleitzellen" und der Markstrahlsiebröhren
bei Vitis vinifera hervor. Raciborski fand in den Milch- und Siebröhren
einen eigenen Körper, das „Leptomin", von dem er annimmt, dass er in
Beziehung zum Sauerstoftaustausch stehe, nämlich eine ähnliche Rolle spiele
wie das Hämoglobin im Blute. Von Janczewski, der fast alle seine Ar-
beiten in französischen Zeitschriften veröffentHchte , nennen wir hier seine
„Etudes comparees sur les tubes cribreuses" (1881).
Eiweissführende Idioblasten wurden von Heinricher (DBG. 1884, B.
Inst. Graz 1887) bei zahlreichen Cruciferen und einem Theil der Capparideen
entdeckt, während bei den Fumariaceen stellvertretend idioblastische Zellen
mit anderen Inhaltsstoffen auftreten. Alle diese Schlauchzellen werden phylo-
genetisch von den gegliederten Milchröhren der Papaveraceen abgeleitet. Der-
selbe Autor beschrieb eine in der Blatt- und Stengelepidermis der Cruciferen
trockener Standorte auftretende Differenzierung besonders grosser Zellen (1886).
Botanik und Zoologie in Oesterreich 1850—1900. 15
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie