Page - 235 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Entwicklung; der Anatomie und Physiologie der Pflanzen. 235
meda). — Von Möller wurden umfassende Untersuchung-en der Bodenluft und
über die Entstehung* der Kohlensäure in derselben gemacht (1879).
ITng-er fand (SWA. 1854) im Anschlüsse an die Beobachtungen von Saus-
sure, dass die Sauerstoffaufnalime und Kohlensiiureabgabe eingeschlos-
sener beblätterter Zweig-e im diffusen Licht und im Finstern von einem an-
fänglichen Maximum an continuierlich abnimmt, bis fast zur gänzlichen Con-
sumption des Sauerstoftcs.— Eingehende experimentelle Studien über Respiration
machte Godlewski (DA. Krakau 1881). Mit Hilfe einer neuen Methode konnte
er sowohl das quantitative Verhältnis des eingeathmeten Sauerstoffes und der
ausg-eschicdenen Kohlensäure in verschiedenen Pflauzenorganen und deren Ent-
wicklungsstadien, sowie auch den Einfluss des partiären Sauerstoffdruckes auf
die Athmung: genauer feststellen, als es den Physiologen bisher möglich war.—
Interessant sind die Beobachtungen von Böhm (BZ. 1887, ZB. 1892), wonach
die Athmungsintensität von Kartoffeln infolge von Verwundung oder bei zeit-
weiser Sauerstoffentziehung oder nach Infection mit Phytophthora erhöht wird.
Bei starker Verletzung stellt sich in den Knollen sozusagen ein Wundfieber
ein.— Celakovsk}^ hat an thierischen und pflanzlichen Organismen nach Entzug
von Sauerstoff Plasmaströmuug und andere Bewegungen beobachtet; er machte
viele Fälle bekannt, in denen vitale Bewegungen von der Athmung sich mehr
oder weniger unabhängig erweisen.
Von Wiesner ist gezeigt worden (SWA. 1885), dass in den Gummi-
arten, sowie in den in Gummi- und Schleimmetamorphose befindlichen Geweben
der Pflanzen ein charakteristisches Ferment vorkommt, das in die Kategorie
der diastatischen Fermente zu stellen ist, und er hat es wahrscheinlich ge-
macht, dass dieses „Gummiferment" die Umwandlung der Cellulose in
Gummi und Schleim bewirke. Später hat Gauuersdorfer das Gummiferment
in Gerste und Malz nachgewiesen.
Nach Celakovsky jun. (Flora 1893) wird coaguliertes Eiweiss in den
Plasmodien von Chondriodernia difforme unter Betheiligung eines durch das
Protoplasma ausgeschiedenen Enzyms verdaut. — Nach Untersuchungen von
Czapek (DBG. 1899) beruht die Wirkung holzzerstörender Pilze auf ihr Sub-
strat einerseits auf der Production eines glycosidspaltenden Enzyms („Hadro-
mase"), welche die Celluloseverbindung des Hadromals zerlegt, und ander-
seits auf der Wirkung eines Cellulose hydrolisierenden Enzyms („Cytase").
Tangl hat sich dahin ausgesprochen (SWA. 1885), dass die Kleber-
schichte der Gramineen zur Zeit der Keimung die Bedeutung eines „ferment-
leitenden Gewebemantels" hat, und G. Haberlandt kam zu dem Resultate,
dass die Kleberschichte des Gramineen-Endosperms zur Zeit der Keimung ein
Diastase bildendes und ausscheidendes Drüsengewebe vorstellt.
Eingehend beschäftigte sich Molisch mit dem Vorkommen des Indicans
innerhalb der Pflanze, seiner Verbreitung im Pflanzenreiche und dem mikro-
chemischen Nachweise des genannten Glycosids in der sog. Indigogährung
(SWA. 1893, 1898, 1899, BG. 1899). Eine auf wissenschaftlicher Grundlage
basierte Untersuchung der Indigobereitung lag bisher nicht vor; sie zum ersten-
male geliefert zu haben war Molisch während seines Aufenthaltes auf Java
gelungen. Er zeigte, dass die Fähigkeit, aus Indican Indigoblau zu bereiten,
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie