Page - 239 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Entwicklung clor Anatomie und Physiologie der Pflanzen. 239
eine blosse Uruekfiltration ist; bezüi^licli der Aroideen bat dies Ung-er scbou
vor langer Zeit gezeig-t (SWA. 1858). Allerdings kann aueb bei abgeschnittenen
Sprossen oder Blättern ohne einen natürlichen oder künstlichen Druck in sehr
tcuchteni Kanme Troptenausscheidiing stattfinden, wie dies Fhaseolus und nach
Nestler viele Malvaceen zeigen. Allein in diesem Falle sind es, wie Nestler
nachgewiesen hat (SWA. 1897, 1899, DBG. 1899), ausgeschiedene hygrosko-
pische Substanzen, die eine secundärc Tropfenbildung auf den Blättern hervor-
zurufen im Stande sind.
Als „absteigenden Wasserstrom" hat Wiesuer (SWA. 1882, BZ.
1889) die durch Transpiration desLaubes hervorgerufeneBewegung des ^\'assers
vom Gipfel des Stammes nach abwärts beschrieben und gezeigt, dass die Ein-
tlussnahme dieses Wasserstromes auf verschiedene Lebenserscheinungen der
Pflanzen, wie das Oetfnen der Blüten, das Welkwerden junger Sprossgipfel,
die Entstehung sympodialer Laubsprosse etc., in vielen Fällen nicht unbeti-ächt-
lich ist.— Die relative Bewegungsgeschwindigkeit des Imbibitionswassers
im Holzkörper nach bestimmten Richtungen im Zusammenhange mit dem
anatomischen Bau und das Vermögen der Leitungsfähigkeit der verschiedenen
histologischen Elemente des Holzkörpers war gleichfalls Gegenstand eingehender
Untersuchungen Wiesners (BZ. 1875, SWA. 1875).
Eine übersichtliche, historisch-kritische Zusammenstellung der Transpira-
tionsliteratur des ganzen 18. und 19. Jahrhunderts hat Burgersteiu in seinen
„Materiahen zu einer Monographie" veröffentlicht (ZBG. I. 1887, II 1889 III
1901).
Jahrelang hat sich Wiesner mit dem Studium des Heliotropismus
beschäftigt. Es handelte sich ihm hiebei nicht um die Aufstellung einer Theorie
des Heliotropismus, sondern um eine möglichst vielseitige Prüfung der helio-
tropischen Erscheinungen auf Grund exacter Versuche. In zwei gehaltvollen
Arbeiten über diesen Gegenstand (DWA. 1878, 1880) werden die Beziehungen
zwischen Lichtintensität und zwischen Brechbarkeit einerseits und Heliotro-
pismus anderseits festgestellt und zahlreiche, das Längenwachsthum der Oi-gane
betreffende neue Thatsachen mitgetheilt. Wichtig war die Auffindung, dass der
Heliotropismus in einer gesetzmässigen Abhängigkeit von Zeit und Licht steht,
wofür Wiesner den Ausdruck photomechanische Induction gebraucht.
Auch die Kenntnis der Mechanik des Heliotropismus wurde durch zahlreiche
Experimente gefördert. Viele neue und interessante Beobachtungen Wiesners
beziehen sich auf die biologische Bedeutung des Heliotropismus, insbesondere
auf die durch das Zusammenwirken von Heliotropismus und Geotropismus
resultierende fixe Lichtlage der Organe.— Wiesner hat ferner den Nach-
weis erbracht, dass bei niederen Lichtintensitäten selbst sehr lichtempfindliche
Pflanzenorgane nur in stark brechbarem Lichte heliotropisch werden. Solche
Lichtintensitäten vorausgesetzt, lässt sich die sogenannte chemische Intensität des
Lichtes als Mass jener Lichtstärke benützen, welche den Heliotropismus hervor-
ruft. Unter Zuhilfenahme von Versuchen Figdors (SWA. 1893) über die lielio-
tropische Empfindlichkeit von Pflanzen stellte Wiesner fest (OeBZ. 1893j,
dass sehr empfindliche Pflanzentheile noch aufBruchtheile von Millionsteln der
Bunsen-Koseoe'sehen Einheit reagieren.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie