Page - 243 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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(He einzelnen histolog-isehen Elemente nach ebenso feststehenden Verhältnissen
verändert werden, wie dies im Holzkörper geschieht.
In den letzten zehn Jahren war Wiesner liaiiptsächlich mit dem Stu-
dium der Lichtintensität in ihrem Verhältnis zum Pflanzenleben be-
schäftigt (DBG. 1894, SWA. 1893, 1895, 1896, 1898). Zur Messung der Licht-
stärke benutzte er die Bunsen-Roscoe'sche Methode. Dieses zur Bestimmung
der auf die Fflanzenorgane wirkenden Lichtintensität ausserordentlich schwer
zu handhabende Verfahren hatWiesner in sinnreicher Weise vereinfacht und
für die Prianzenphysiologie praktisch brauchbar gemacht. Zur Charakteristik
der Lichtstärke, welcher die Pflanze angepasst ist, stellt Wiesner den Begriff
„Lichtgenuss" (relativer und absoluter) auf und definiert denselben als ''das
Verhältnis der Lichtstärke am Pflanzenstandorte zur Intensität des gesammten
Himmelslichtes. Für zahlreiche Gewächse wurde der Lichtgenuss zahlenmässig
festgestellt.
Wiesner machte Untersuchungen in allen Zonen der Erde (Java, In-
dien, Aegypten, von Südeuropa bis Spitzbergen), und seine Arbeiten über das
Lichtklima haben nicht nur bei den Klimatologen und Phänologen hohe An-
erkennung gefunden, sie gehören auch „bereits zu den unentbehrlichsten Hilfs-
mitteln der pflanzengeographischen Forschung" (Schimper). Als Hauptresultat
ergab sieh: a) der Lichtgenuss der Pflanzen steigt mit der Seehöhe und mit
der geographischen Breite; h) er ist unter normalen Verhältnissen desto grösser,
Je kälter die Medien sind, in denen die Pflanze ihre Organe ausbreitet.—Weitere
Beobachtungen lehrten, dass Pflanzen, die dem uneingeschränktesten Licht-
genuss zugänglich sind, durchaus kein Maximum organischer Substanz produ-
cieren, sondern dass vielmehr alle gut gedeihenden Gewächse auf diffuses
Licht, ferner auf in seiner Intensität geschwächtes Sonnenlicht angewiesen sind.
Nur im arktischen und im alpinen Gebiet kommt dasselbe zur grösseren Geltung.
Die Nachtheile einer sehr grossen und einer sehr geringen Intensität des ge-
sammten Tageslichtes werden in der Regel durch Grösse, Zahl und Lage der
oberirdischen Organe bis zu einem gewissen Grade verringert. — Singer ver-
öfifentHchte „Beobachtungen über das Lichtklima von Prag", denenAViesners
Methode zugrunde lag. — L. Linsbauer ermittelte mittels eines eigens con-
struierten Apparates die Lichtverhältnisse im AVasser. Diese Versuche sind
mit Rücksicht auf die Verbreitung der das AVasser bewohnenden Organismen
von physiologischer Bedeutung. (ZBG. 1895; Naturw. AVoch. 1898.)
Eine grössere Schrift von Molisch (Jena 1897, ferner SAVA. 1896) gilt
dem Problem des Gefrierens und Erfrierens der Pflanze. Indem es dem
Verfasser durch zweckmässige Adaptierung des Alikroskops möglich wurde,
den Gefrierungsvorgang in der Zelle bequem und genau zu verfolgen, konnte
er beweisen, dass die meisten Pflanzen schon im gefrorenen Zustande ihr
Leben einbüssen und nicht erst beim Aufthauen. AVeitere Untersuchungen
betreffen das Erfrieren von Pflanzen knapp über Null. Diese Arbeiten er-
scheinen auf eine so breite experimentelle Grundlage gesteUt, dass an der
Richtigkeit der Ansicht von Molisch, wonach zahlreiche, wärmeren Klimaten
angehörige Gewächse bei Temperaturen knapp über Null, und zwar auch bei
Ausschluss der Transpiration absterben oder wenigstens geschädigt werden,
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Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie