Page - 261 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Gescliiclitc der Zoologie. 261
Turbellarien.
Von L. V. (rtaiT.
Till Jahre 1836 werden zuerst Turbellarien aus Oesterreieli beschrieben,
und zwar durch österreichische Forscher. C. M. Diesing- coustatiert eine
Polyclade aus Triest, und W. Focke gibt eine monographische Darstellung
des Baues der Planaria (später 3Iesostoma) eJirenhergi, alle Organe dieser
schönen Form darstellend, wenngleich vielfach noch falsch deutend. Dazu
kommt bald eine weitere angeblich neue Polyclade aus Triest, deren Diesing
in seinem „Systema helminthum" gedenkt — doch haben beide von dem
Genannten als neu beschriebenen Species eingezogen werden müssen, gleichwie
die beiden von ihm aufgestellten neuen Turbellariengenera Cephalolepta und
Centrostomum.
Seit 1851 sind zunächst die rein systematischen Beiträge von L. K.
Schmarda (drei neue Rhabdocoele aus Egypten und die 81 auf seiner Reise
um die Welt beobachteten, meist zur Gruppe der Polycladen gehörigen neuen
Species) zu erwähnen, sowie Diesings „Revision der Turbellarien" (1862),
welche letztere seinerzeit im wesentlichen als Literaturverzeichnis und Species-
register Wert hatte und heute nur noch als Geburtsstätte zahlreicher neuer
Gattungsnamen von Interesse ist. Von diesen Namen sind heute bloss noch
im Gebrauche die folgenden: Geohia, Leimacopsis, Äcelis und 3Ionotus.
Dagegen beginnt mit der Berufung 0. Schmidts (1855), der schon
durch seine in Jena ausgeführten Arbeiten — in denen zum erstenmale
(„Neue Rhabdocoelen" 1852) die Turbellarienfauua von Lesina behandelt
wurde — eine Autorität in diesem Gebiete geworden war, das letztere für
längere Zeit eine Domäne österreichischer Zoologen zu werden. Schmidt hat
besonders die Anatomie und Systematik der Rhabdocoeliden und Tricladen
von Krakau, Graz, Lesina, Neapel, Corfu und Cephalonia gefördert und dabei
21 nov. spec. und das nov. gen. Castrada an Rhabdocoelen, 1 neue Polyclade,
6 neue Tricladen des süssen und salzigen Wassers — für letztere auch das
typische genus Gunda— beschrieben.
Der „Novara"-Expedition verdanken wir die Kenntnis der zuerst
von Ed. Grube als Bipalium univittatum beschriebenen Landplanarie.
L. V. Graff, jetzt Inhaber des Schmidt'schen Lehrstuhles in Graz, hat
die Turbellarienforschungen seines Lehrers fortgesetzt und nach zahlreichen
kleineren Publicationen 1882 im I. Bande seiner „Monographie der Turbellarien"
zunächst die Subordo RhabdocoeMda (unter welchem Namen er drei Tribus: Acoe-
la, RhaMocoela und Alloeocoela zusammenfasste) in anatomischer, systematischer
und zoogeographischer Hinsicht bearbeitet und damit die Grundlage geliefert,
auf welcher alle die zahlreichen, seither über diese Gruppe erschienenen Ar-
beiten beruhen. Von den bis dahin bekannten 168 Species hat Graff 70
selbst untersucht und diese, sowie noch 30 neue in 11 Familien (neu: Pro2)o-
rida, Aplianostomida, Vorticida, Solenopharyngida, Plagiostomida, Monotida)
und 40 Gattungen (neu: Ci/rtomotyha, Promesostoma, Otomesostoma, Pseiido-
rhynchus, Acrorhynchm, Macrorhynclms, Hyporhynclms, Schidtzia, Provortex,
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie