Page - 272 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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272 A. Steuer.
Der grösste Theil der Arbeiten ist der Erforschung der vielgestaltigen
Copepodenwelt des süssenWassers und des Meeres gewidmet. 1857 erscheint als
Inauguraldissertation „Das Genus Gyclopsund seine einheimische Arten"; weitere
Arbeiten über Cyclops folgen in kurzen Intervallen: die verwandtschaftlichen
Beziehungen zwischen freilebenden Copepoden und den Siphonostomen,
Branchiuren und Cirripedien werden erörtert. Mit mehr Glück als Steen-
strup und Lütken sucht Claus die Copepoden und Siphouostomen einander
systematisch nahezubringen, und zwar durch die Auffindung eines gemein-
samen Bauplanes der Mundwerkzeuge, von Cyclopsine castor (Biaptomus) er-
scheint 1858 eine vollkommene Entwicklungsgeschichte, in der namentlich die
Entwicklung der Mundtheile ausführlich dargestellt wird. Als Frucht eines
längeren Aufenthaltes in Nizza folgen Mittheilungen über Bau und Entwick-
lung parasitischer Copepoden, eine weitere Schrift bringt eine Eintheilung der
Phyllopoden in die drei Familien der Daphniaceen, Branchiopoden und Esthe-
rien. In seiner Arbeit „Ueber den Bau der Notodelphys ascidicola^ (1860)
schon nimmt Claus zum Darwinismus Stellung; er findet, dass die Harmonie
zwischen Körperform und Lebensweise, die allmählichen Uebergänge, welche
in beiden Beziehungen stattfinden, wohl geeignet sind, die Darwin'sche Theorie
von der Entstehung der Arten durch Naturzüchtung zu stützen.
Durch Vergleich der verschiedensten Copepodenformen kommt Claus
zu dem Resultate, dass alle sich auf einen Urtypus mit bestimmter Körper-
segmentzahl zurückführen lassen; so werden z. B. 1860 für Sapphirina im
Gegensatze zu Thompson bei beiden Geschlechtern 11 Körpersegmente vor-
gefunden, Lernaeocera und Fenella zeigen den Copepodentypus auf niederster
Stufe der Ausbildung (1861). 1862 werden bereits die sechs Familien der
freilebenden Copepoden charakterisiert (Cydopidae, Harpacticidae, Feltididae,
Corycaeidae, Calanidae, Potellidae), und 1863 erscheint das berühmte, grund-
legende Werk: „Die freilebenden Copepoden". Weitere Formenkreise werden
nun in den Bereich der Untersuchung einbezogen, die morphologischen Be-
ziehungen der Copepoden zu den Malacostraken, Phyllopoden, Cirripedien und
Ostracoden erörtert, der complicierte Augenapparat der Sapphirina, die Sinnes-
organe („blasse Kolben und Cylinder") der Cyclops-Antennen, Herz, Blutkreis-
lauf, Ganglien, Sinnesorgane von Amphipoden, Schizopoden und Ostracoden
genauer beschrieben.
Wie der „glückliche Zoolog von Desterro", Fritz Müller in seiner be-
rühmten Schrift „Für Darwin" als Frucht seiner carcinologischen Studien
über eine Reihe von Thatsachen berichtet, „welche erst im Lichte der Dar-
win'schen Lehre in einem überraschend einfachen und natürlichen Zusam-
menhange erscheinen, ohne dieselbe aber paradox und unerklärt bleiben", so
versuchte auch Claus in seiner Schrift: „Die Copepodenfauna von Nizza, ein
Beitrag zur Charakteristik der Formen und deren Abänderungen im Sinne
Darwins" (1866) seine Copepodenstudien als Material zur Befestigung der
Descendenztheorie zu verwerten. Claus findet, dass, während einzelne häufige,
nordische Arten im Mittelmeere unverändert wieder auftreten, andere hier mehr
oder minder auffallende Abweichungen erkennen lassen, und dass ein gleiches
Verhältnis auch zwischen Nizzaer und Messinesischen Exemplaren einer und
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie