Page - 273 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der JSoologie. 273
derselben Art obwalte. Diese Verscliiedeulieiten werden zunächst an den
Abänderungen gewisser Arten an einer und derselben Localität beleuchtet
und einerseits durch den Einfiuss einer seit längerer Zeit wirksamen Natur-
züchtung, anderseits durch die an verschiedenen Localitäten in ungleicher
Weise einwirkenden „äusseren Lebensbedingungen" erklärt.
In den folgenden Jahren sehen wir Claus wiederum mit der Entwick-
lungsgeschichte der Ostracoden, Squilliden, Phyllopoden beschäftigt, 1869
wird die Cypris-iilmWdiG Larve der Cirripedien in ihrer Verwandlung in das
festsitzende Thier verfolgt und der Versuch einer Zurückfuhrung des Cirri-
pedienkörpers auf den der Copepoden gemacht, 1872 das Männchen der
Nebalia gefunden und Bau und systematische Stellung dieser interessanten
Form besprochen.
Kurze Zeit nach seiner Uebersiedlung nach Wien erscheint das Charles
Darwin zugeeignete Werk „Untersuchungen zur Erforschung der genea-
logischen Grundlage des Crustaceensystems , ein Beitrag zur Descendenz-
lehre" (1876). Gestützt auf seine umfassenden, sorgfältigen Vorarbeiten
unterzieht Claus zunächst die über den Gegenstand bisher erschienenen
Arbeiten, die „in kühnem Fluge der Ideen das Ziel erreichen zu können
glaubten", einer scharfen Kritik und misst der ^oca-Larve, im Gegensatz zu
früheren Autoren, einen minder hohen phyletischen Wert bei. Als Urmala-
costrak betrachtet Claus eine Form, die ausser den Pereiopoden bereits Pleo-
poden besass, auch Nebalia den Ursprung gab und nebst den Phyllopoden
dem Urkrebse oder Urphyllopoden ^) entstammte, dessen Füsse zwischen Blatt-
und Spaltfüssen die Mitte hielten.
Aus der grossen Zahl der nun folgenden Publicationen über Phyllo-
poden, Ostracoden, Copepoden, Leptostraken, Amphipoden, Isopoden, Stomato-
poden, Schizopoden und Xiphosuren mag nur an die 1876 erschienenen Bei-
träge „Zur Kenntnis der Organisation und des feineren Baues der Daphuiden
und verwandten Cladoceren" erinnert werden, die als zoologisches „ABC-Buch"
für die angehenden Wiener Naturhistoriker aus den Zeiten des „grossen Claus-
schen Practicums", das alljährlich im Wintersemester abgehalten wurde, jedem
Schüler des berühmten Krebsforschers in deutlicher Erinnerung sein dürfte.
In den übrigen Publicationen werden bald embryologische, bald morpho-
logische, anatomische und histologische Themen behandelt. Mit Vorliebe greift
Claus dabei auf seine eigenen, älteren Arbeiten zurück, sie berichtigend, er-
weiternd, vertiefend. Wie früher stehen dem Autor phylogenetische Probleme
im Vordergrunde des Interesses: phylogenetisch wichtige Merkmale werden
aufgesucht, Entwicklungsstadien {Naupliiis, Zoea) auf ihren thatsächlichen
phyletischen Wert eingehend geprüft, Stomatopoden und Schizopoden als alter-
thümliche Formen gewürdigt, die Leptostraken völlig ausser Verbindung mit
den Phyllopoden gebracht (1886) und schliesslich (1888) ausdrücklich als
erste Hauptabtheilung unter die Malakostraken aufgenommen. Im Jahre 1886
wird die genealogische Verwandtschaft der Crustaceeu graphisch durch folgende
Schemen zum Ausdrucke gebracht:
^) Später (1886) richtiger ala Protostrak bezeichnet.
Botiinik und Zoologie in Oesterreich 1850—1900. 1^
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie