Page - 283 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der Zoologie. 283
Im Jahre 1880 erschien der erste Band von Latzeis Myriopoden der
österreichisch-ungarischen Monarchie, die Chilopoden behandelnd, ein Werk, das
mit einemmale eine grosse Lücke ausfüllte, denn während bisher die wenigen
aus Oesterreich bekannten Arten zumeist in den Schriften Kochs, Meinerts,
Fanzagos, Fedrizzis u. a. zerstreut waren, Avar die während einermehrjährigen
Bereisung der meisten Kronländer von Seite Latzeis erfolgte Durchforschung
Oesterreichs eine so glückliche, dass bis heute nicht mehr sehr viel neue
Chilopodenarten, nur etwas über ein Dutzend nämlich, dazu entdeckt wurden.
Die gemachten Angaben sind von einer mustergültigen Zuverlässigkeit und
Genauigkeit. In den nächsten Jahren folgten noch kleinere Beiträge (5, 6
und 7).
Heller und Dalla Torre gaben ein Verzeichnis der alpinen Myriopoden
Tirols nach den Resultaten der von den Genannten und anderen in den Jahren
1876—1878 durchgeführten Hochalpendurchforschung.
Das Jahr 1884 brachte den zweiten Band von Latzeis „Myriopoden der
österreichisch-ungarischen Monarchie", enthaltend die Symphylen, Pauropoden
und Diplopoden. Insbesondere in Bezug auf letztere weitaus grösste (ilruppe
der Myriopoden ist Latzeis Werk geradezu bahnbrechend geworden, dadurch
dass er erkannte, dass die Copulationsfüsse der Diplopoden das für die Syste-
matik Wichtigste sind und eine scharfe Charakterisierung einer Art nur mit
Hilfe dieser Organe möglich ist. Latzeis Werk ist daher nicht nur für die
österreichische Faunistik, sondern für die systematische Myriopodenforschung
überhaupt zu einem Wendepunkt geworden. Er hat einen Grundstock gut
beschriebener Arten geschaifen und uns den Weg gezeigt, den wir bei der
Diplopodenforschung einzuschlagen haben. Auf der von ihm meisterhaft ge-
legten Grundlage konnte jetzt mit Leichtigkeit weitergebaut werden, und die
Wissenschaft ist auch thatsächlich nicht bei den von ihm erreichten Resultaten
stehen geblieben. Das Bild hat sich in der Zwischenzeit gewaltig verändert,
was Latzel ja voraussah, als er in der Vorrede zum ersten Band schrieb:
„Der Vollkommenheit und Vollendung können Werke dieser Art wohl nur in
der Zukunft entgegenreifen, nachdem sie sich zahlreiche Mitarbeiter und
Freunde erworben haben."
Latzel selbst hat in der Folge bezüglich Oesterreichs nur mehr zwei
Beiträge zur Kärntner Fauna publiciert (8, 9). Die folgenden zehn Jahre
brachten auch von anderen nicht viel; zwei Aufsätze von Feiller über Pauro-
poden und Henicops, die Liste der Tiroler Myriopoden von Dalla Torre,
einen Beitrag zur Fauna Dalmatiens von Gasperini und zu der Galiziens
je einen Aufsatz von Fiszer und Slosarski.
Erst von 1894 an beginnt wieder eine regere Thätigkeit, an der jedoch
ein Ausländer, Dr. C. Verhoeff aus Bonn, durch seine zahlreichen Pnblica-
tionen einen ganz wesentlichen Antheil genommen hat. Er bereiste des öfteren
die südlichen Kronländer Istrien, Dalmatien, Krain, ferner Tirol und Steier-
mark und vermehrte die Zahl der Arten, als auch die Erkenntnis ihrer Ver-
wandtschaftsbeziehungen in sehr beträchtlicher Weise.
Attems (3) gab 1895 eine Bearbeitung der steirischen Fauna, wobei
auch die von ihm in Niederösterreich gemachten Funde publiciert wurden.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie