Page - 291 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der Zoologie. 291
Brauer war auch stets bemüht, seinen in oben besprochenen Werken
und in vielen Speeialarbeiten niederg-eleg-ten Anschauungen durch gemein-
verständhche Vorträge in weiteren Kreisen Geltung- zu verechaifen. So hielt
er im Vereine zur Verbreitung- naturwissenschaftlicher Kenntnisse eine Reihe
von Vorträgen: Ueber Insectenmetamorphose (1865), Insectenleben im Winter
(1871), Biologisches über blutsaugende Insecten (1881), Biologisches aus der
Insectenwelt (1882), Ueber einige schmarotzende und parasitische Insecten
(1883), Beziehungen der Larvenformen der Thiere zur Abstammung (1886)
Beziehungen der Descendenzlehre zur Systematik (1887), Fehlschlüsse und
Wahrheiten aus der Biologie (1888) u. s. w.
Im Gegensätze zu Brauer, dessen Arbeiten der morphologisch-systemati-
schen und (alt-)biologischen Richtung angehören, entfaltete Veit Graber
aufdem
Gebiete der Embryologie, Histologie, Anatomie und Physiologie eine rege
Thatigkeit, die in dem betreffenden Capitel dieser Festschrift entsprechende
Würdigung finden wird. Hier wollen wir Grabers nur als des Verfassers
eines entomologischen Handbuches') gedenken, welches jedoch trotz mancher
Vorzüge nie zu höherer Bedeutung gelangte.
Eine sehr wertvolle vergleichend-morphologische Arbeit über das Flügel-
geäder der Insecten^) verdanken wir Jos. Redtenbacher.
Verfasser geht von der Voraussetzung aus, dass das Geäder der Flügel
bei allen Insecten homolog sei, und sieht in der fächerförmigen Anlage mit
regelmässig alternierenden Convex- und Concavadern den ursprünglichen Typus
von dem alle anderen durch mehr oder weniger weitgehende Reduction der
Adern entstandenen Flügeltypen abzuleiten seien. Wenn auch der Versuch
die Homologie der einzelnen Adern bei allen Flügeln nachzuweisen und auf
Grund dieses Nachweises eine einheitliche Nomenclatur einzuführen nicht
vollkommen gelungen ist, so enthält Redtenbachers Werk doch eine Fülle
wichtiger Entdeckungen auf diesem Gebiete. Besonderen Wert gewinnt die
Arbeit durch die namentlich für Paläontologen erwünschte Zusammenstellung
der wichtigsten Flügeltypen auf zwölf meisterhaft ausgeführten Tafeln.
Zum Schlüsse möchten wir hier noch zwei Publicationen des geistreichen
Nestors der Wiener Entomologen, unseres Ehrenmitgliedes Brunner von
Wattenwyl erwähnen, ohne auf eine Kritik der in diesen Arbeiten aufge-
stellten Hypothesen näher einzugehen. In der ersten „Ueber Hypertelie in
der Natur'' =^) betitelten Arbeit weist Verfasser auf die Thatsache hin, dass in
der Natur sehr häufig Formen und besonders Farbenzeichnungen auftreten, die
weder als Manifestationen der Nothwendigkeit zum Kampfe ums Dasein, noch
als ererbte Charaktere zu erklären sind. Es liege in der Natur das Bestreben,
immer Neues zu erzeugen— ohne Rücksicht auf die Nothwendigkeit— und
dieses Streben sei als Hypertelie zu bezeichnen. Das „Genus" sei der In-
begriff aller jener Charaktere, welche ein Organismus durch die Nothwendig-
keit annehme, die „Species" dagegen entstehe dadurch, dass der Organismus,
seiner ideellen Ausbildung nachstrebend, durch Hypertelie die Formen po-
tenziere.
^) Die lusecteu. Miincheu 1877, 2 Bde. — -^i AWH. I, 18,%. — "',) ZBG. XXIII, 1873.
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Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie