Page - 296 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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296 K. Brunner v. Wattenwyl.
Orthopteren und Dermapteren.
Von K. Brauner v. Watteinvyl.
Oesterreich beansprucht einen grossen Antheil an den neueren Forschungen
auf dem Gebiete dieser beiden Ordnungen. Die faunistischen Arbeiten lassen
sich von den systematischen Abhandlungen nicht trennen, indem die Bear-
beitung der Faunen stets zur Ergänzung der Systeme, oft zur Grundlage der-
selben dienten.
Nachdem Burmeister^) und Serville^) gleichzeitig die systematische
Grundlage geschaffen hatten, publicierte Fr. X. Fieber zunächst in einer
kurzen Uebersichts), dann im Jahre 1853 eine eingehende Abhandlung über
die europäische Fauna*), worin er eine grosse Zahl neuerer Genera und selbst-
verständHch auch von Species aufstellte. Seine Diagnosen sind kurz, und
zwar in deutscher Sprache geschrieben, aber in Ausdrücken, welche eine
eigene Terminologie bilden. Die Arbeit erschien in der Zeitschrift „Lotos" in
fortlaufenden Artikeln und wurde in einem Heft von 78 Seiten im Jahre 1854
zusammengefasst.
Wie die beiden grundlegenden Werke von Burmeister und Serville
im Jahre 1839 gleichzeitig erschienen sind, so geschah es auch vierzehn
Jahre später der Fieber'sehen Arbeit, indem im nämlichen Jahre 1853 das
classische Werk von Fischer herauskam^), welches in vortrefflichen Be-
schreibungen und entsprechenden Abbildungen die europäische Orthopteren-
fauna viel vollständiger beschrieb und daher das Fieber'sehe Werk ver-
drängte.
Im Jahre 1865 publicierte unsere Gesellschaft ein grösseres systematisches
Werk über die Blattiden ''), ausgestattet mit zahlreichen Abbildungen, welches
nicht nur für die Familie, welcher es gewidmet war, sondern auch für die
Systematik der Orthopteren im allgemeinen massgebend wurde.
Die früheren Systeme suchten die Charaktere für die Eintheilung in der
Form der für die Lebensfunctionen wichtigsten Organe, wie der Fresswerk-
zeuge, Geschlechtsorgaue und Flügel. Unzweifelhaft ist die Beschaffenheit
derselben zur Aufstellung der höheren Gruppen massgebend; man denke nur
z. B. an die Mundtheile, welche entweder zum Saugen oder zum Beissen ein-
gerichtet sind und dadurch die Unterlage für Rüssel- oder Mandibularinsecten
bilden. Die Systematiker, und unter denselben namentlich die französischen,
(Brull6, Serville, Blanchard) giengen weiter und verwendeten die Formen
dieser Organe zur Aufstellung der Subfamilien. Sie unterschieden Macro- und
Micropalpi, Camptoxiphae und Orthoxiphae u. s. w.
Heute, wo wir die Variation durch Zuchtwahl kennen, muss der Wert
dieser Merkmale zur Feststellung der natürlichen Verwandtschaft wesentlich
1) Herrn. Burmeister, Handbuch der Entomologie, Bd. II, Berlin 1839. — -) Audiuet
Serville, Histoire naturelle des insectes. Orthopteres, Paris 1839. — ^) Fr. X.Fieber, Classifi-
cation der europäischen Orthopteren (Abb. böhm. Ges. 1845, Folge ö, Bd. HI). — *) Fieber,
Synopsis der europäischen Orthopteren. „Lotos" III, 1853 und Ergäuzungsblätter zur Synopsis
(„Lotos" 1854, IV, 1855). Ferner Beiträge zur Orthopterenkenntnis (WEM. 1861, V, S. 193). —
^) H. Fischer, Orthoptera europaea, Lipsiae 1853. — ") Brunner v. Wattenwyl, Nouveau
Systeme des Blattaires, Vienue 1865.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie