Page - 303 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der Zoologie. 303
dem Jahre 1850. Er begann seine publicistische Thätigkeit im Jahre 1837
— also im Alter von 30 Jahren— mit einer kleinen Abhandlung- '), in welcher
eine Anzahl neuer Arten aus verschiedenen Gruppen der Heteropteren be-
sehrieben wurde, um bald darauf (1844) mit einer Serie kleiner Monographien-)
vor die Oefientlichkeit zu treten. Diese Arbeiten Hessen bereits erkennen,
dass Fieber die Nothwendigkeit zusammenfassender Arbeiten richtig erfasst
hatte. Bald (1848) erfolgte eine „Synopsis der bisher in Europa entdeckten
Arten der Gattung i'Orisa^^^) und dann im Jahre 1851 „Genera Hydrocoridum
secundum ordiuem naturalem in familias disposita", „Species generis Corisa
monographice dispositae" und „Rhynchotographien, drei monographische
Abhandlungen"^) mit einer Bearbeitung der Sciocorinen, Notonectiden und
(ki/careims-Arten.
Bereits in diesen Arbeiten zeigt sich Fiebers Tendenz nach möglichst
enger Begrenzung der Gattungen und Familien. Sein scharfer Blick erkannte
oft dort schon wesentliche Differenzen, wo andere Forscher jener Zeit höchstens
unbedeutende specifische Unterschiede zu sehen wähnten. Die Gruppierung,
welche er bei den Wasserwanzen vornahm, wird mit geringen Aenderuugen
noch heute in der Hemipterologie angenommen.
Nach dem Erscheinen der eben besprochenen Arbeiten trat in der publi-
cistischen Thätigkeit Fiebers ein Stillstand ein, der bis zum Jahre 1858
währte, und der offenbar durch das mühevolle Zusammentragen des Materiales
zu seinem Hauptwerke bedingt war; dann erschienen in rascher Folge einige
kleinere Publicationen'') als Vorläufer dieses Werkes und endlich in den
Jahren 1860 und 1861 jenes Buch, durch welches sich Fieber einen Platz
unter den bedeutendsten Entomologen gesichert hat: Die europäischen
Hemiptera, Halbflügler (Ilhyncliota, Heteroptera). Nach der analyti-
schen Methode bearbeitet. Wien, Gerold (8«, Heft 1 1860, 2 und 3 1861,
zus. 444 Seiten und 2 Tafeln).
Welche Umwälzung Fiebers Werk in der damaligen europäischen
Hemipterensystematik hervorgebracht hat, ist schon aus dem Umstände er-
sichtlich, dass bei weit mehr als der Hälfte aller Genus- und Familiennamen
Fieber als Autor steht, und dass die Zahl der Arten um mehr als 200 ver-
mehrt wurde. Eine so bedeutende und plötzlich eingetretene Vermehrung der
Genera musste naturgemäss auf den Widerstand der mehr conservativ ver-
anlagten Zeitgenossen stossen, und so ist denn auch Flor in einem Artikel
der WEM. (VI, 1862, S. 1) in ziemlich heftiger Weise gegen Fieber ins
Feld gezogen. Dessenungeachtet hat sich das „neue System" im grossen und
ganzen bis zum heutigen Tage erhalten, ja die Zahl der Genera ist sogar
^) Beiträge zur Keuutuis der iSchnabelkerfe. In Weiteuweber, Beitr. zur ges. Natur- uud
Heilwissen.schaft (Prag) I, 1837, S. 97—111 uud S. 337—355. — 2) Eutomologische Monographien.
Sieben Abhandlungen (Prag, Calve, 1814, 4", 137 S., 10 Tal'.). Abh. bühm. Ges. 1845, 5. Folge,
3. Bd., S. 277—416. Enthält: Die C'ercojns-Arten der deutschen Insectenfauna; Monographien der
Gattungen Sigara und Ploa, der Tiugididen und der Gattung Ophthalmims. — ^) In Bullet, de
Moscou XXI, 1848, S. 505—539.— *) In Abh. böhm. Ges., 5. Folge, 7. Bd., S. 181—212, resp. 213—260
und 425—488. — ^) Criterien zur generischeu Theilung der Phytocoriden. WEM. II, 1858, S. 289
und 329; Die Familie der Derytidae. Ebenda III, 1859, S. 200; Die europäischen Arten der Gat-
tung Salda F. Ebenda III, 1859, S. 230; Exegesen in Hemipteren. Ebenda IV, 1860, S. 257.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie