Page - 325 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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Geschichte der Zoologie. 325
Geg-enstaiid iiuclizutragen ist^). Rogenhofer besass eine kleine, aber für die
Fauna unsererMonarchie wertvolle Privatsammlung, Vielehe durch eine dankens-
werte Verfügung seiner Witwe an das Hofmuseum gelangte.
Neben Rogenhofer wirkte am Hofmuseum durch 45 Jahre Josef Mann
als Präparator (geb 1804 zu Gabel [Nordböhmen], gest. 1889, Nekrolog WEZ.
1889 mit Porträt), dessen Beziehungen zu Fischer v. Röslerstamm bereits
in der Einleitung gedacht wurde. Mann war seinem Berufe nach eigentlich
Zeichner und Maler und besass keine wissenschaftliche Bildung. Als uner-
müdlicher Sammler, namentlich von Microlepidopteren, genoss er jedoch einen
wohlverdienten Ruf, machte als Sammler auch zahlreiche Reisen ins Ausland und
stand mit ersten Lepidopterologen wie Lederer und Zeller in andauerndem
Verkehr. Kein Sammler vor oder nach ihm hat auch so oft das Schneeberg-
gebiet exploriert, das er 180mal besuchte. Mann publicierte auch eine grosse
Zahl wichtiger faunistischer Beiträge (vgl. nächsten Abschnitt) und beschrieb
auch viele neue Arten, besonders Microlepidopteren, wobei er jedoch meist
von anderen unterstützt wurde. In seinem Privatbesitz entstanden zwei sehr
bedeutende Microlepidopterensammlungen, wovon die erste an Dr. Schneider
nach Breslau, die zweite an das k. k. naturhistorische Hofmuseum gelangte.
Die Zahl der Privatsammler, welche meist nur für Localfaunistik und
Zucht vieler Arten Bemerkenswertes leisteten, war namentlich in Wien stets
eine erhebliche und ist noch derzeit in steter Zunahme begriffen. Unter ihnen
entstanden auch einige bedeutende Sammlungen für die paläarktische Region,
so in früherer Zeit jene des Generalstabsarztes Heinrich Ritter v. Zimmer-
mann (geb. 1807, gest. 1878), welche nach dem Tode ihres Besitzers an
Max Wiskott (Breslau) gelangte. Ferner jene Johann v. Hornigs (geb, 1819,
gest. 1886 2), eines Freundes und Sammelgenossen Lederers, der seine Macro-
lepidopterensammlung noch bei Lebzeiten au den Grossfürsten Nikolaus
Michailowitsch von Russland verkaufte und sich dann ganz dem Studium
der Microlepidopteren widmete. Seine Microlepidopterensammlung gelangte
erst nach seinem Tode an das bosnisch-hercegovinische Landesmuseum.
Aus den regelmässigen Zusammenkünften solcher Privatsammler bildeten
sich in neuerer Zeit auch einige öffentliche Vereinigungen, unter welchen der
Wiener entomologische Verein (gegründet 1890) die bemerkenswerteste
ist. Seine Mitglieder, beiläufig 40 an Zahl, bestehen fast ausnahmslos aus
Lepidopterophilen. Der Verein publiciert auch regelmässige Jahresberichte,
die zumeist faunistische Beiträge enthalten und sich durch die Beigabe far-
biger Tafeln mit Darstellungen von Aberrationen, ersten Ständen etc. aus-
zeichnen.
Unter den gegenwärtigen Privatsammlungen nimmt jene von Otto Bo-
hatsch in Wien (geb. 1843 in Blansko [Mähren]) den ersten Rang ein.
Bohatseh unterhält auch auswärtige Verbindungen und beschäftigt sich seit
vielen Jahren eingehend mit der Geometridengattung Eupithecia. Sein Eifer
in letzterer Hinsicht hat vielfach auch andere heimische Sammler und Züchter
zu weiteren Forschungen angeregt. Er war bereits mehrfach publicistisch
1; Z. Anz. VI, 415.— -i Nekrolog ZBG. 18H7.
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie