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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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Betrachtet man die beiden Krisen als Dramen, dann weist die Gesund- heitskrise eine Nähe zum aristotelischen Dramenmodell auf. Raum, Zeit und Handlung bilden eine Einheit, die Anzahl der Akteure ist begrenzt, und es findet in gewisser Weise eine Katharsis statt, nämlich in Form der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, die die Gesellschaft zu einer un- gewohnten Ruhe zwingen und zu einer Verlagerung der Aufmerksamkeit bewegen. Diese Geschlossenheit fehlt im Klimadiskurs. Auf ihn trifft eher zu, was Goethe über Shakespeares Dramen schrieb: Shakespeares Theater ist ein schöner Raritätenkasten, in dem die Ge- schichte der Welt vor unsern Augen an dem unsichtbaren Faden der Zeit vorbeiwallt. Seine Plane sind, nach dem gemeinen Stil zu reden, keine Plane, aber seine Stücke drehen sich alle um den geheimen Punkt (den noch kein Philosoph gesehen und bestimmt hat), in dem das Eigentümliche unseres Ichs, die prätendierte Freiheit unsres Wol- lens, mit dem notwendigen Gang des Ganzen zusammenstößt.2 Abzuändern ist lediglich, dass die prätendierte Freiheit kollektiv und als strukturell durch die gesellschaftlichen Institutionen vermittelt gedacht werden muss. Der (un)sichtbare Verlauf der Krise: Zeitstruktur, Wahrnehmung und Kausalverhältnisse Ob ein Ereignis den Weg in die öffentliche Kommunikation findet und sich im Wettstreit um die knappe Ressource Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum behaupten kann, hängt u.  a. von dem Komplex aus Zeitstruktur, Sichtbarkeit, Emotionalisierung und Kausalbeziehungen die- ses Ereignisses ab. Die aktuelle Gesundheits- und die andauernde Klimakri- se unterscheiden sich diesbezüglich grundlegend. Der akute und dramatische Charakter der Corona-Pandemie Das Corona-Virus und die Covid-19-Erkrankung haben einen Neuheits- wert. Die Ausbreitung verläuft schnell, das Geschehen ist dramatisch, die Auswirkungen greifen umfassend in den Alltag ein. Daher kann dieses Er- eignis leicht Aufmerksamkeit erregen. Förderlich dafür ist die Dynamik 2. 2.1 2 Goethe, Shakespeare-Tag, 226. Jochen Ostheimer 180 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Title
Die Corona-Pandemie
Subtitle
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Authors
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Editor
Walter Schaupp
Publisher
Nomos Verlagsgesellschaft
Location
Baden-Baden
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Size
15.3 x 22.7 cm
Pages
448
Keywords
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Categories
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