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Die Wahrnehmbarkeit der Pandemie wird insbesondere auch ĂĽber Zah-
len hergestellt.4 Neuerkrankungen, Ausbreitungsgeschwindigkeit, Todes-
fälle, die mit Covid-19 in Verbindung gebracht werden – diese Fallzahlen
stehen wochenlang am Anfang jeder Nachrichtensendung und jeder Zei-
tungsmeldung, und sie werden in Talkshows und Online-Portalen illus-
triert und diskutiert. Eine solche Präsenz genießen nur noch zwei Arten
von Zahlen: Temperaturangaben in den Wetteraussichten sowie Börsen-
werte.
Auch die private Kommunikation hält das Thema im Bewusstsein.
Wichtige Kanäle sind neben Alltagsgesprächen die sozialen Netzwerke von
WhatsApp, Facebook, Instagram u. 
a., in denen Memes und Videos in oft
humoristischer Weise die aktuelle Lage beleuchten.5
Diese Vehemenz an Signalen prägt das Bewusstsein. Mindestens ebenso
wichtig wie die Menge an Meldungen ist das Ansprechen von Emotionen,
um Aufmerksamkeit zu erregen und ĂĽber einen gewissen Zeitraum hoch-
zuhalten. Ebendies gelang der Corona-Pandemie. Unsicherheit, Sorge und
Angst um die eigene Gesundheit und um das Wohlergehen Nahestehen-
der sowie ein allgemeines MitgefĂĽhl mit den Betroffenen standen am An-
fang der Entwicklung. Im nächsten Schritt kam bei vielen eine Erleichte-
rung hinzu, wenn sie sich nicht angesteckt hatten oder zumindest keine
Symptome bemerkten, wie auch eine Beruhigung, dass die Regierung und
die nachgeordneten Behörden souverän agierten. Nach diesem Aufatmen
wurde die Stimmungslage komplexer. Zunehmend traten die psychischen
und sozioökonomischen Folgen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkun-
gen in den Blick. Die Situation, die je nach Ort weitgehend einem Hausar-
rest glich, erzeugte neuen Stress. Der „Lagerkoller“ ließ Konflikte eskalie-
ren oder förderte ein Suchtverhalten. Die ungeahnten Belastungen einer
ganztägigen Betreuung und Beschäftigung von Kindern in den teils recht
engen eigenen vier Wänden in Verbindung mit den pädagogischen
Heraus- und Ăśberforderungen des Hausunterrichts fĂĽhrten teilweise zu er-
heblichen Anspannungen. Der fehlende Austausch mit anderen und der
Mangel an Ansprache und Abwechslung stellten viele vor eine harte Be-
4 Eine eigene Analyse wert wäre der Vergleich zwischen der Berichterstattung über
die Covid-19-Erkrankung in Europa und der Darstellung der Ebola-Erkrankung in
Afrika in europäischen Medien. Im Fall von Ebola wurden vielfach Bilder von Be-
troffenen gezeigt, während europäische Kranke vor dem Blick Fremder geschützt
sind und stattdessen von anonymen Zahlen vertreten werden.
5 Eine Auswahl findet sich bspw. hier: https://www.t-online.de/digital/id_87537942/
whatsapp-facebook-und-co-wie-corona-im-netz-mit-humor-bekaempft-wird.html
[15.05.2020].
Jochen Ostheimer
182
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik