Page - 206 - in Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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lich an, wie geduldig und teilweise auch kreativ die meisten Menschen das
Widrige ertragen haben und wieviel SolidaritĂ€t entstanden ist. NatĂŒrlich,
nach den ersten harten Wochen sind viele KrÀfte aufgebraucht, der Eifer
erlahmt und das Murren angeschwollen. Dennoch sollte man das Gelun-
gene nicht klein reden.
Verglichen mit der Corona-Krise hat der Klimaschutz bisher nur winzi-
ge FinanzhÀppchen bekommen. Noch wenige Monate vor Corona spotte-
ten viele UmweltschĂŒtzerInnen ĂŒber das âKlima-PĂ€ckchenâ der deutschen
Bundesregierung. Beim Klimaschutz das ĂuĂerste zu investieren, âkoste es,
was es wolleâ, ist bislang trotz der Fridays for Future keine mehrheitsfĂ€hi-
ge Option. Und den BĂŒrgerInnen fĂŒr den Klimaschutz den einen oder an-
deren Verzicht abzuverlangen geht erst recht nicht. Offensichtlich muss
die Katastrophe erst in vollem Umfang da sein, bis sie zu einschneidenden
MaĂnahmen fĂŒhrt. Das lĂ€sst sich auch fĂŒr die Pandemien zeigen, wenn
wir nun zwei Jahrzehnte zurĂŒckschauen.
Wir hĂ€tten frĂŒher hören mĂŒssen!
Ehrlicherweise mĂŒssen wir nĂ€mlich zugeben: Die VirologInnen haben seit
vielen Jahren (und mit vermehrter LautstÀrke seit der SARS-Epidemie
2002/2003) vor einer bevorstehenden Pandemie mit tödlichen Folgen ge-
warnt. Immer und immer wieder. Doch hat niemand auf sie gehört. Die
Medien nicht, denn sie haben das Thema zwar ab und zu gebracht, aber
immer im Kleingedruckten auf den hinteren Seiten und nie auf den Ti-
teln. Die BĂŒrgerInnen nicht, denn sie haben es zwar in den Medien gele-
sen, aber das AusmaĂ nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. Die
Politik nicht, denn sie hat auĂerhalb des Gesundheitsministeriums ĂŒber
das Szenario einer Pandemie nicht einmal diskutiert. Wie eine unangeneh-
me BelÀstigung haben alle die Warnungen von sich weggeschoben. Alle.
Doch nehmen wir einmal an, Medien, Politik und Gesellschaft hÀtten
ernsthaft ĂŒber die Pandemie-Gefahr gesprochen und nach LösungsansĂ€t-
zen gesucht: HĂ€tten sie die nötigen MaĂnahmen dann auch umgesetzt?
Dazu muss man bedenken, was diese LösungsansÀtze gewesen wÀren: Eine
drastische Reduzierung der Fernreisen, denn weniger Fernreisen bedeuten
weniger und sich langsamer ausbreitende Pandemien. Ein Ausbau der
europÀischen Textilbranche mit anstÀndig bezahltem Personal, weil nur
sie Schutzmasken und Schutzkleidung herstellen kann. Die Folge wÀre
eine erhebliche Verteuerung von Kleidung. Die Sicherung einer europÀ-
ischen Medikamentenherstellung, weil Europa schon vor Corona viele Me-
dikamente nicht mehr in der nötigen Menge aus den sĂŒd- und ostasiati-
4.
Michael Rosenberger
206
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂŒrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik