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lich an, wie geduldig und teilweise auch kreativ die meisten Menschen das
Widrige ertragen haben und wieviel Solidarität entstanden ist. Natürlich,
nach den ersten harten Wochen sind viele Kräfte aufgebraucht, der Eifer
erlahmt und das Murren angeschwollen. Dennoch sollte man das Gelun-
gene nicht klein reden.
Verglichen mit der Corona-Krise hat der Klimaschutz bisher nur winzi-
ge Finanzhäppchen bekommen. Noch wenige Monate vor Corona spotte-
ten viele UmweltschützerInnen über das „Klima-Päckchen“ der deutschen
Bundesregierung. Beim Klimaschutz das Äußerste zu investieren, „koste es,
was es wolle“, ist bislang trotz der Fridays for Future keine mehrheitsfähi-
ge Option. Und den BĂĽrgerInnen fĂĽr den Klimaschutz den einen oder an-
deren Verzicht abzuverlangen geht erst recht nicht. Offensichtlich muss
die Katastrophe erst in vollem Umfang da sein, bis sie zu einschneidenden
Maßnahmen führt. Das lässt sich auch für die Pandemien zeigen, wenn
wir nun zwei Jahrzehnte zurĂĽckschauen.
Wir hätten früher hören müssen!
Ehrlicherweise müssen wir nämlich zugeben: Die VirologInnen haben seit
vielen Jahren (und mit vermehrter Lautstärke seit der SARS-Epidemie
2002/2003) vor einer bevorstehenden Pandemie mit tödlichen Folgen ge-
warnt. Immer und immer wieder. Doch hat niemand auf sie gehört. Die
Medien nicht, denn sie haben das Thema zwar ab und zu gebracht, aber
immer im Kleingedruckten auf den hinteren Seiten und nie auf den Ti-
teln. Die BĂĽrgerInnen nicht, denn sie haben es zwar in den Medien gele-
sen, aber das AusmaĂź nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. Die
Politik nicht, denn sie hat auĂźerhalb des Gesundheitsministeriums ĂĽber
das Szenario einer Pandemie nicht einmal diskutiert. Wie eine unangeneh-
me Belästigung haben alle die Warnungen von sich weggeschoben. Alle.
Doch nehmen wir einmal an, Medien, Politik und Gesellschaft hätten
ernsthaft über die Pandemie-Gefahr gesprochen und nach Lösungsansät-
zen gesucht: Hätten sie die nötigen Maßnahmen dann auch umgesetzt?
Dazu muss man bedenken, was diese Lösungsansätze gewesen wären: Eine
drastische Reduzierung der Fernreisen, denn weniger Fernreisen bedeuten
weniger und sich langsamer ausbreitende Pandemien. Ein Ausbau der
europäischen Textilbranche mit anständig bezahltem Personal, weil nur
sie Schutzmasken und Schutzkleidung herstellen kann. Die Folge wäre
eine erhebliche Verteuerung von Kleidung. Die Sicherung einer europä-
ischen Medikamentenherstellung, weil Europa schon vor Corona viele Me-
dikamente nicht mehr in der nötigen Menge aus den süd- und ostasiati-
4.
Michael Rosenberger
206
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik