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Autoritarismus versus Demokratie
Wer sich mit der Neigung zu autoritären Einstellungen in Österreich be-
fasst hat, wird sich nicht gewundert haben, wie rasch und folgsam die
Maßnahmen der Bundesregierung anerkannt wurden. Während sich die
deutsche Bundeskanzlerin für die Einschränkung demokratischer Grund-
rechte entschuldigte, fand man sich in Ă–sterreich rasch dem Vorwurf des
Egoismus und der Illoyalität ausgesetzt, wenn man die Verhältnismäßig-
keit der MaĂźnahmen kritisierte.
Die Europäische Wertestudie belegt für Österreich im Langzeittrend
eine stabile Unterstützung von autoritären Einstellungsmustern, u.  a. stim-
men 23 Prozent der Befragten vollkommen der Aussage zu, dass dort, wo
strenge Autorität ist, auch größere Gerechtigkeit herrscht.13 Andere Studi-
en beschreiben sogar einen Zuwachs an autoritären Haltungen zwischen
2007 und 2017, konkret sei der Wunsch nach einem starken FĂĽhrer und
das BedĂĽrfnis nach einer Law-and-Order-Politik gestiegen.14 Besonders aus-
geprägt ist der Autoritarismus bei älteren Personen, Menschen, die sich im
rechten ideologischen Spektrum verorten, und Menschen mit geringer for-
maler Bildung sowie bei Menschen mit tĂĽrkischem und ex-jugoslawi-
schem Migrationshintergrund. Überdies gehört Österreich im westeuro-
päischen Vergleich zu den Ländern mit starkem Autoritarismus. Dies gilt
auch fĂĽr das AusmaĂź fremdenfeindlicher und muslimfeindlicher Einstel-
lungen, die sich in Ă–sterreich auf konstant hohem Niveau halten15 bzw.
sogar steigen.16
Im Verein stellen Autoritarismus und Fremdenfeindlichkeit jedenfalls
ein Risiko fĂĽr die Demokratie dar. Denn Ablehnung von Vielfalt, die sich
mit AnpassungswĂĽnschen verbindet und politisch durchgesetzt werden
soll, ist eines der wesentlichen Charakteristika einer antidemokratischen,
ja sogar rechtspopulistischen Haltung.17 Dass solche Einstellungen mittler-
weile nicht nur an den Rändern zu finden sind, sondern die Mitte der Ge-
sellschaft erreicht haben und gleichsam normal geworden sind, sollte hell-
hörig machen. Daran ändert auch die hohe Zustimmung zur Demokra-
tie18 als solcher wenig, da diese durch Rechtspopulisten umgedeutet zu
2.3
13 Vgl. Aichholzer, Diversität und Solidarität, 176–186.
14 Vgl. SORA: NS-Geschichtsbewusstsein und autoritäre Einstellungen in Öster-
reich, 183.
15 Vgl. Aichholzer, Diversität und Solidarität, 184–189.
16 Vgl. Aschauer, Einstellungen zu Muslimen in Ă–sterreich.
17 Vgl. MĂĽller, Was ist Populismus?
18 Vgl. Hajdinjak/Glavanovits/Kritzinger, Politik und Demokratie, 143–155.
Regina Polak
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik