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Vulnerabilität in der Krise
Martina Schmidhuber
Die Vulnerabilität des Mensch-Seins
Vulnerabilität ist ein Teil der conditio humana. Sehr schnell können sich an
und fĂĽr sich gesunde Menschen in einer vulnerablen Situation wiederfin-
den. Grundsätzlich sind drei Formen der Vulnerabilität zu unterscheiden,
wie dies die drei US-amerikanischen feministischen Philosophinnen Ca-
triona Mackenzie, Wendy Rogers und Susan Dodds (2014) in ihrer Taxo-
nomie plausibel ausführen: inhärent, situativ und pathogen. (1) Menschen
sind aufgrund ihrer conditio humana inhärent vulnerabel. Hunger, Durst,
Schlafentzug, soziale Isolation – all diese basalen menschlichen Bedürfnis-
se verweisen auf die inhärente Vulnerabilität des Mensch-Seins. (2) Die si-
tuative Vulnerabilität kann Menschen in bestimmten Kontexten treffen,
aus persönlichen, sozialen oder politischen Gründen. Sowohl eine Natur-
katastrophe, die von heute auf morgen Menschen obdachlos werden lassen
kann, als auch Krankheiten, die das scheinbar starke Subjekt zum hilfsbe-
dürftigen Pflegefall machen, oder plötzliche Arbeitslosigkeit sind Formen
situativer Vulnerabilität. (3) Pathogene Vulnerabilität entsteht durch asym-
metrische interpersonelle Beziehungen und institutionelle Strukturen. Da-
zu zählen beispielsweise die Misshandlung oder der Missbrauch eines Kin-
des durch einen Erwachsenen.
Eine Pandemie wie die Corona-Krise fĂĽhrt Menschen insbesondere ihre
situative Vulnerabilität vor Augen, aber auch die inhärente durch soziale
Isolation. Und auch der pathogenen Vulnerabilität sind v.  a. Kinder und
Frauen in Familien, in denen – bisher vielleicht nur latente – Gewalt ein
Thema war, in der Krise aufgrund der Ausgangsbeschränkungen besonders
ausgesetzt. Menschen spüren Formen der Vulnerabilität aus verschiedenen
GrĂĽnden in unterschiedlichen Lebenslagen. Nur einige Situationen und
Gegebenheiten, die Vulnerabilität in der Krise spürbar machen, ohne An-
spruch auf Vollständigkeit, sind folgende: die Erkrankung an Covid-19;
eine chronische Erkrankung und/oder ein höheres Alter und dadurch die
besondere Gefährdung, ein/e intensivmedizinische/r PatientIn zu werden;
der Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund der mit Covid-19 einhergehenden
wirtschaftlichen Krise, damit verbundene Probleme, die Miete zu bezah-
1.
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik