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Weise Kraft spendet, zum Durchhalten ermutigt und Perspektiven für die
nächsten (inneren) Schritte eröffnet.
Dieses Beispiel zeigt darüber hinaus, wie sehr die gemeinsame Aufmerk-
samkeit des Behandlungsteams auf innere, spirituelle Bedürfnisse der Pati-
entin „not-wendig“ sein kann – und wie das seelsorgliche Gespräch von
Angesicht zu Angesicht möglicherweise den medizinisch dominierten, da-
zu noch infektiösen Raum zu verwandeln vermag.
Seelsorge ist so etwas wie eine Heterotopie. Sie ist bewusster Partner
gemeinsamer Spiritual Care […]. […] Spiritual Care eröffnet gemein-
sam mit der Seelsorge einen unbestimmten Raum für Spirituelles. […]
Seelsorge besiedelt diesen offenen, manchmal unbestimmten Raum
und macht ihn zu einem ‚Anderort‘[…]. […] Christliche Seelsorge
trägt auf diese Art und Weise bei zu einer menschenfreundlichen Kul-
tur, gründend in einer menschenfreundlichen Haltung […].13
Resümee
Vor dem Hintergrund dieser theologischen Deutung der Bedeutung von
Krankenhausseelsorge lassen sich folgende Aspekte als Resümee der bishe-
rigen Erfahrungen der Seelsorge am Uniklinikum Salzburg in Zeiten der
Corona-Pandemie zusammenfassen:
Wie im gewöhnlichen Klinikbetrieb, in diesen Krisenzeiten aber beson-
ders verdichtet, basiert Heilung auch auf der zwischenmenschlichen Be-
gegnung. Gerade die isolierten, schwer kranken, verängstigten und einer
anspannenden Geduldsprobe ausgesetzten Patientinnen und Patienten so-
wie deren Angehörige bedürfen des Innehaltens des Behandlungsteams.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich vom Da-Sein dieser
Menschen jenseits ihrer Infektiosität und der damit verbundenen Risiken
ansprechen lassen. Wichtig ist die persönliche Komponente – sie verlangt
Nähe, emotionale Wärme und einfühlsames Verstehen.14
Krankenhausseelsorge leistet in dieser Hinsicht einen unverzichtbaren
Beitrag, sind ihr diese Momente der Patienten- und Angehörigenbeglei-
tung doch als oberste Maximen ins Stammbuch geschrieben. Deutlich
wird, dass dieser Behandlungsbeitrag in die Güterabwägung einbezogen
werden muss, wenn es um die Einschätzung geht, ob Seelsorge mit ihrem
Besuchsauftrag ein zusätzliches, womöglich größeres Risiko der Weiterga-
4.
13 Roser, Krankenhausseelsorge und Spiritual Care, 232.
14 Vgl. Maio, Den kranken Menschen verstehen, 188–208.
Gerhard Hundsdorfer
308
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik