Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Coronavirus
Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Page - 354 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 354 - in Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise

Image of the Page - 354 -

Image of the Page - 354 - in Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise

Text of the Page - 354 -

Menschen in Gesundheitsberufen, die in den zurückliegenden Wochen viele Menschen an Covid-19 haben sterben sehen, sind mehr als sonst see- lisch belastet. Wird unsere Sterblichkeit verdrängt, muss jeder Tote als Ver- sagen empfunden werden. Das führt zu moralischem Stress beim klini- schen Personal.24 Human ist eine Medizin, die das Sterben zulassen kann und den Tod nicht bloß als eine numerische Größe in den täglichen Corona-Statistiken behandelt. Von Verstorbenen Abschied zu nehmen, gehört zu einem humanen Umgang mit dem Tod. Religiöse Trauerriten sind Bestandteil der Religi- onsfreiheit, die in der Phase des Containments stark beschnitten worden ist. Eingriffe in Grundrechte, zu denen auch das Besuchsrecht und der seel- sorgliche Beistand für Kranke und Sterbende zählt, lassen sich in der Akut- phase einer Pandemie rechtlich und ethisch rechtfertigen. Ihre Verhältnis- mäßigkeit ist aber fortlaufend zu überprüfen. Übertriebene Maßnahmen, die das Recht auf Sterbebegleitung und ein würdevolles Abschiednehmen unterminieren, sind nicht zu rechtfertigen. Von an oder mit Covid-19 Verstorbenen geht laut Robert Koch Institut kein größeres Infektionsrisiko als von Influenzatoten aus, wird das Virus doch vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen.25 Tote atmen nicht. Werden übliche Hygienestandards eingehalten, spricht augenscheinlich grundsätzlich nichts dagegen, dass sich Hinterbliebene persönlich von Corona-Toten verabschieden – auch mit seelsorglicher Begleitung. Bei reli- giösen Riten ist allerdings darauf zu achten, dass das mögliche Infektions- risiko beachtet wird. Mediziner raten, auf Berührungen des Leichnams oder rituelle Waschungen zu verzichten oder zumindest für eine ausrei- chende Schutzausrüstung zu sorgen. Ausblick Die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems wird mehr denn je eine ge- meinsame kollektive Anstrengung. Wie gut es funktioniert, welche Thera- pien finanziert werden können und wie Kranke versorgt werden, ist in den wirtschaftlich harten Zeiten, die uns durch den Lockdown ganz sicher in der nächsten Zukunft erwarten, zu einer sehr großen Herausforderung ge- worden. 8. 24 Siehe Eisele, Moralischer Stress in der Pflege. 25 Vgl. Robert Koch Institut, Empfehlungen zum Umgang mit SARS-CoV-2-infizier- ten Verstorbenen. Ulrich H.J. Körtner 354 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
back to the  book Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Title
Die Corona-Pandemie
Subtitle
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Authors
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Editor
Walter Schaupp
Publisher
Nomos Verlagsgesellschaft
Location
Baden-Baden
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Size
15.3 x 22.7 cm
Pages
448
Keywords
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Categories
Coronavirus
Medizin
Recht und Politik
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Corona-Pandemie