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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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wundbar und zugleich wie abhängig wir voneinander sind. Nun spürt je- der und jede, wie das eigene Schicksal mit dem aller zusammenwirkt.“1 Mau arbeitet mit Verweis auf entsprechende Entwicklungen etwa im Ge- folge der Industriellen Revolution oder des Zweiten Weltkriegs die These heraus, dass eine kollektive Risikoerfahrung die Einsicht in „soziale Ver- wobenheit, das Aufeinander-angewiesen-Sein“ als Grundlage menschli- chen Daseins generieren bzw. verstärken könne: Aus der doppelten Verbindung zueinander – als Personen, die abhän- gige Teile eines großen Ganzen sind, und als Personen, deren Hand- lungen auf das Ganze zurückwirken – kann ein Gefühl von Wechsel- seitigkeit entstehen. Trotz aller Ansprüche auf Autonomie kann der oder die Einzelne diesem Zusammenhang kaum entfliehen.2 Und schließlich verweist Mau auf Émile Durkheim als einen der Gründer- väter der Soziologie, der bereits schlüssig dargelegt habe, dass arbeitsteilige Gesellschaften mit individualisierter Kultur notwendig ein Interdepen- denzbewusstsein bräuchten, um Solidarität gestalten zu können, bei Durk- heim organische Solidarität genannt, die die Verbindungskraft3 zwischen ei- gentlich Unterschiedlichen stifte: In dieser Krise sind alle geradezu gezwungen, sich in einer Gemein- schaft zu verorten, deren Normalität prekär geworden ist. Gerade des- halb sind wir dazu aufgefordert, dem Zusammenleben eine Bestim- mung und eine Form zu geben, es neu auszubuchstabieren. Klug sind jene Gesellschaften, die mit Innovationen reagieren, also der Fähig- keit, außerhalb von Routinen institutionelle Lösungen für neue Pro- bleme zu entwickeln. Diese Lernprozesse zu organisieren, wird wohl etwas, das uns noch lange beschäftigen wird.4 Die Einübung in ein Distant Socializing angesichts eines massiven Social Distancing – das ist auch für die Religionsgemeinschaften eine zentrale He- 1 Mau, Neue Nähe, 5. Ein grundsätzlicher Hinweis: Der vorliegende Text wurde be- reits Anfang Mai 2020 in den Grundzügen abgeschlossen; bei Erscheinen dürften die thematisierten Zusammenhänge sich angesichts der nach wie vor im Gang be- findlichen einschlägigen Dynamiken schon wieder weiterentwickelt haben, bzw. konnten z. B. neuere Phänomene wie die Diskussionen um angemessene gottes- dienstliche Formen nach ersten Schritten zur Lockerung des Shutdowns hier nicht mehr berücksichtigt werden. 2 Mau, Neue Nähe, 5. 3 Siehe dazu Durkheim, Division. 4 Mau, Neue Nähe, 5. Stephan Winter 370 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Title
Die Corona-Pandemie
Subtitle
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Authors
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Editor
Walter Schaupp
Publisher
Nomos Verlagsgesellschaft
Location
Baden-Baden
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Size
15.3 x 22.7 cm
Pages
448
Keywords
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
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