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In dieser Ausnahme- und extrem belastenden Situation war es
auch wichtig, bei der Diensteinteilung jener Mitarbeiter, die in
kritischen Bereichen eingesetzt waren, ausreichende Erholungs-
phasen einzuplanen. Um all die Bereiche, die wir installierten,
mit entsprechend ausgebildeten Mitarbeitern zu besetzen, wur-
den Mitarbeiter aus verschiedenen Kliniken zu den jeweiligen
Hotspots zugeteilt, insbesondere an der Universitätsklinik für
Chirurgie und der Universitätsklinik für Innere Medizin.
Kröll: Wie wurden in deinem Verantwortungsbereich Mitarbeiter fachlich
über das Virus informiert? Haben sie Informationen darüber erhalten,
wie mit dieser speziellen Situation umzugehen ist? Wie groß war die
Angst der Mitarbeiter, selbst infiziert zu werden durch die Behandlung
und Betreuung infizierter Patienten? Gab es ablehnende Haltungen
und Einstellungen?
Tax: Mitarbeiter erhielten sowohl vom Rechtsträger als auch vom Di-
rektorium regelmäßig schriftliche Informationen über die Aus-
breitung und den Verlauf der Covid-19-Infektionen. Informatio-
nen, die ausschließlich einzelne Mitarbeiter betroffen haben, wur-
den diesen über persönliche Mails zur Verfügung gestellt. Zusätz-
lich wurden Informationen vom Krisenstab des LKH-Universitäts-
klinikums Graz, der täglich unter der Leitung des Ärztlichen Di-
rektors stattfand, allen Führungskräften aktuell weitergegeben.
Sie haben entschieden, welche Informationen für ihre jeweiligen
Bereiche wichtig sind, und haben diese dann in persönlichen Ge-
sprächen an die Mitarbeiter oder Teams weitergegeben. Im Direk-
torium wurde regelmäßig abgewogen, welche Informationen
wichtig sind und wann und in welcher Form weitergegeben wer-
den müssen. Die laufende, aber richtige Information ist gerade in
Krisensituationen sehr entscheidend.
Hinsichtlich der Bereitschaft der Mitarbeiter im Umgang mit der
Pandemie haben wir unterschiedliche Reaktionen erlebt. Zum
Teil waren auch große Ängste vorhanden, oftmals bedingt durch
medial verbreitete, zum Teil übertrieben dargestellte Informatio-
nen. Es sind immer wieder Fragen aufgetaucht und damit war ei-
gentlich jeder Tag für die Führungskraft ein „Sich-Einlassen auf
Unbekanntes“. Täglich stattfindende interdisziplinäre Krisensit-
zungen des Direktoriums habe ich persönlich als sehr wertvoll er-
lebt. Hier wurden die aktuellen neuen Informationen ausge-
tauscht, Fragen diskutiert und gemeinsame Vorgehensweisen fest-
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik