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Fragen an Betriebsdirektor Mag. Gebhard Falzberger
Kröll: Erinnerst du dich noch zurück, welche Gedanken dir durch den
Kopf gingen, als du davon in Kenntnis gesetzt wurdest, dass auf-
grund eines massiven Anstiegs an mit Covid-19 infizierten Men-
schen in deinem Verantwortungsbereich entsprechende Schutz-
maßnahmen getroffen werden mussten?
Falzberger: Ja, ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ein Schreiben
vom Bundesministerium für Inneres bzw. vom Bundesminis-
terium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-
schutz eingetroffen ist, dass in allen Krankenanstalten Öster-
reichs der derzeitige Betrieb massiv zu reduzieren ist, um ent-
sprechende Vorhaltungen für Patienten, die mit dem Virus
Covid-19 infiziert sind, zu treffen. Im ersten Moment waren
wir, die Mitglieder des Direktoriums unseres Krankenhauses,
aber auch meine engsten Mitarbeiter, verunsichert und be-
troffen, weil wir alle nicht wussten, was da auf uns zu-
kommt.
Kröll: Was waren deine ersten persönlichen Gedanken im Umgang mit
dieser drohenden Pandemie? Welche Schutz- und/oder Vorsichts-
maßnahmen hast du für dich selbst bzw. deine unmittelbaren An-
gehörigen getroffen?
Falzberger: Meine persönlichen Gedanken im Umgang mit der Pande-
mie sind mehrschichtig: Einerseits rede ich jetzt als Familien-
vater und Großvater, der während dieser Zeit leider keine
Möglichkeit hatte, sein Enkelkind zu besuchen und zu se-
hen. Wir haben uns innerhalb der Familie an die Quarantä-
nebestimmungen gehalten, mit betroffen war auch meine
87-jährige Mutter, die allein lebt. Ich merke aber jetzt auch,
was diese Isolation bei vielen anderen Menschen bewirkt hat.
Wir werden alle etwas Zeit brauchen, um wiederum in eine
normale Kommunikation zu kommen, wie sie vor Ausbruch
der Pandemie bestanden hat. Ich bin davon überzeugt, dass
es sehr wichtig ist, dass wir wieder in unser Verhalten zu-
rückkehren dürfen, wie es vor Corona gewesen ist.
Kröll: Das LKH-Universitätsklinikum Graz ist mit ca. 6.000 Mitarbei-
tern (ohne Med-Uni-Beschäftigte) der größte Arbeitgeber in der
Steiermark. Innerhalb welchen Zeitraums konntest du überhaupt
diese erforderlichen und vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen in-
stallieren? Wie konntest du es gewährleisten, dass alle angeordne-
II.
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
392
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik