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Fragen an den ärztlichen Direktor Ass.-Prof. Dr. Wolfgang Köle
Kröll: Erinnern Sie sich noch zurück, welche Gedanken Ihnen durch den
Kopf gingen, als Sie davon in Kenntnis gesetzt wurden, dass aufgrund
eines massiven Anstiegs an mit Covid-19 infizierten Menschen nun in
Ihrem Verantwortungsbereich entsprechende Schutzmaßnahmen getrof-
fen werden mussten?
Köle: Die ersten Gedanken, die mir am Beginn dieser Krisensituation
durch den Kopf gingen, waren einerseits die Notwendigkeit, die
Mitarbeiter des Klinikums zu schützen, und andererseits, den be-
troffenen Patienten zu helfen. Hellhörig gemacht hat mich natür-
lich die Tatsache, dass es sich bei der Covid-19-Infektion um eine
neue, weitgehend unbekannte Infektion handelt und wenig
Kenntnisse über den Ausbreitungsmodus verfügbar waren, ob-
wohl diese Erkrankung ja schon Monate zuvor in China aufgetre-
ten war.
Kröll: Was waren Ihre ersten persönlichen Gedanken im Umgang mit dieser
drohenden Pandemie? Welche Schutz- und/oder Vorsichtsmaßnahmen
haben Sie für sich selbst bzw. Ihre unmittelbaren Angehörigen getrof-
fen?
Köle: Da ich zumindest in Graz alleinstehend bin, hat sich diese Frage
persönlicher Vorsichts- und Schutzmaßnahmen bzw. Verhaltens-
weisen im Umgang mit Angehörigen in diesem Sinne nicht ge-
stellt. Die von mir getroffenen Vorsichtsmaßnahmen haben sich
daher auf Social Distancing beschränkt.
Kröll: Mit Covid-19 infizierte Patienten benötigen einerseits Normalbetten,
andererseits aber, wenn auch in geringerem Ausmaß, Intensivbehand-
lungsbetten. Wie ist es Ihnen gelungen, trotz einer wahrscheinlich vor-
bestehenden, mindestens 90-prozentigen Auslastung der Intensivbetten
ausreichend Behandlungs- und auch Beatmungsplätze zur Verfügung
stellen zu können? Haben Sie Umstrukturierungen innerhalb der Kli-
niken bzw. Abteilungen vorgenommen?
Köle: Geht man von den Ausführungen des Krisenstabs des Landes Stei-
ermark und jenem der KAGes aus – in denen ich ebenfalls vertre-
ten war –, dann hätte unser Krankenhaus, zumindest theoretisch,
niemals mit an Covid-19 erkrankten Patienten konfrontiert sein
dürfen, denn in der Steiermark war ein Krankenhaus als Co-
vid-19-Krankenhaus vorgesehen, nämlich das LKH Graz II mit
den Standorten Graz West, Graz Süd und dem LKH Hörgas. In
III.
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
398
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik