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diesen Krankenhäusern wurden die chirurgische und die medizi-
nische Abteilung für nicht-infizierte Patienten geschlossen und
ausschließlich für mit Covid-19 infizierte Patienten frei gehalten.
Aber man hat relativ bald erkannt, dass dies nicht so funktionie-
ren konnte, wie es geplant war, denn die Patienten des LKH-Uni-
versitätsklinikums Graz, die sich ja bereits a priori in unserem
Haus speziellen Behandlungen unterzogen hatten, waren auch
weiterhin im Klinikum zu behandeln, nämlich auch dann, wenn
sie sich denn tatsächlich mit Covid-19 infiziert hatten. Damit war
im LKH-Universitätsklinikum Graz von Beginn der Krise an die
Situation gegeben, dass sowohl nicht-infizierte als auch infizierte
Patienten behandelt werden mussten. Das hat die Verantwortli-
chen selbstverständlich vor große Herausforderungen gestellt:
Denn initial waren die Intensivbehandlungsbetten an der Univer-
sitätsklinik für Innere Medizin mehr oder weniger zu 100 Prozent
mit Patienten belegt, die nicht infiziert waren, und dies mit den
üblichen Erkrankungen, wie man sie auf einer Intensivstation
einer Universitätsklinik für Innere Medizin vorfindet: Myokardin-
farkte, Lungenversagen, Pneumonien etc. Diese Intensivbehand-
lungsbetten, zumindest 50 Prozent davon, mussten daher für infi-
zierte Patienten freigemacht werden. Die anderen 50 Prozent der
Intensivbehandlungsbetten wurden weiterhin für nicht-infizierte
Patienten benötigt, die mit Myokardinfarkten etc. einer Behand-
lung zugewiesen wurden. Aber man hat auch sehr rasch erkannt,
dass diese Anzahl an verfügbaren Betten unzureichend ist, und
daher mussten auch von den Intensivstationen der Universitätskli-
niken für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie für Chirur-
gie Intensivbehandlungsbetten zur Verfügung gestellt werden.
Das war insofern problemlos durchzuführen, als das Routineope-
rationsprogramm weitgehend reduziert wurde und daher auch
eine entsprechende Anzahl an Intensivbehandlungsbetten für in-
fizierte Patienten zur Verfügung stand. Diese Kooperation mit
den einzelnen Universitätskliniken bzw. den zuständigen klini-
schen Abteilungen hat sehr gut funktioniert. Zusätzlich waren
aber auch andere große Umstrukturierungen innerhalb des Klini-
kums erforderlich: So wurde die zentrale internistische Notfall-
aufnahme ausschließlich für infizierte Patienten zur Verfügung
gestellt, während die zentrale Notaufnahme der Universitätskli-
nik für Chirurgie interdisziplinär mit den Universitätskliniken
für Innere Medizin und Neurologie für nicht-infizierte Patienten
geführt wurde. An der Universitätsklinik für Innere Medizin wur-
Der Umgang mit der Covid-19 Krise aus der Sicht der eines Universitätsklinikums
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik